Bretonische Verhältnisse

[Rezension] Bretonische Verhältnisse

Bretonische Verhältnisse ist ein netter, freundlicher und trotzdem sehr spannender Krimi. Ich finde es auch sehr angenehm, dass er in einer typischen Urlaubsregion handelt und man sich so ein bisschen von unserem tristen, grauen Wetter wegträumen kann :-)

Bretonische Verhältnisse

Von Jean-Luc Bannalec

Georges Dupin, vor einiger Zeit von Paris strafversetzt nach Concarneu in der Bretagne, wird eines Morgens zu einem Mordfall ins malerische Pont Aven beordert. Pierre-Louis Pennec, ein einundneunzigjähriger Hotelier, wurde im Restaurant seines Hotels erstochen aufgefunden und der zuständige Kommissar ist in Urlaub. Wohl oder übel muss Dupin sich auf den Weg nach Pont Aven machen und sich um die Sache zu kümmern.

Das Hotel Central, dass Pierre-Lois Pennec mit starker Hand und eisernem Willen seit Jahrzehnten führte, ist eine Institution in Gegend, hat eine bewegte, aufregende Vergangenheit und ist ein fester Bestandteil der Geschichte einer berühmten Künstlerkolonie und viele berühmte Maler, allen voran Paul Gaugin, gingen hier ein und aus. Über das Opfer bekommen Dupin und seine Kollegen nur Positives zu hören und niemand kann sich auch nur annähernd vorstellen warum jemand den alten Mann ermordet haben könnte. Ist das wirklich so oder hält die Dorfgemeinschaft einfach nur eisern zusammen?

Nur die Bretonen selbst durften indes selbst über das bretonische Wetter schimpfen oder lachen; wenn es andere taten, wurde es als sehr unhöflich empfunden. Das verhielt sich, wie Dupin in den nun fast drei Jahren hier gelernt hatte, mit allem „Bretonischen“ so. Bretonische Verhältnisse, S. 11/12

Mein Eindruck:

Bretonische Verhältnisse ist in vier große Kapitel unterteilt, die jeweils einen Tag der Ermittlungen erzählen. In diesen vier Tagen führt Monsieur le Commissaire unzählige Gespräche mit Angehörigen und Freunden des ermordeten Hoteliers und kommt so nach und nach vielen kleinen und großen Geheimnissen der Familie Pennec auf die Spur. Für weniger kunstbegeisterte Menschen wie mich wird dann auch Gott sei Dank relativ ausführlich erklärt, was es mit der  Schule von Pont Aven auf sich hat, was schon sehr wichtig für die Hintergründe des Falles ist.

Einzelkämpfer

Hin und wieder entsteht dabei  bei mir der Eindruck, das Georges Dupin  nicht nur die Hauptperson des Buches sondern die einzige Person überhaupt ist – alle anderen Personen, ob Familienangehörige und Freunde des Opfers oder Kollegen des Kommissars, werden kaum beschrieben und bleiben recht blass im Hintergrund. Allerdings ist Dupin auch ein recht dominanter, eigenwilliger und eigenbrötlerischer Charakter. Er führt die Ermittlungsgespräche mehr oder weniger im Alleingang, hat alle Fäden in der Hand und überlässt den anderen ganz gerne die langweilige Recherchearbeiten.

Wenig private Hintergründe

Privates erfährt man  kaum zu seiner Person, weder warum er versetzt wurde, noch wer die Damen in seiner Vergangenheit sind die immer mal wieder durch seine Gedanken wandern. Eigentlich mal ein ganz wohltuender Unterschied zu vielen anderen Krimis, in denen das Leben der Ermittler manchmal mehr Raum einnimmt, als das eigentliche Verbrechen. Für weitere Kriminalfälle rund um Dupin, die ja angekündigt sind, würde ich mir dann aber schon ein bisschen mehr Teamarbeit der Ermittler wünschen :-)

Landschaft

Fast genauso viel Raum wie Georges Dupins Person nehmen die Schilderungen der Landschaft rund um Pont Aven ein. Diese Landschaftsbeschreibungen sind sehr stimmungsvoll und zaubern mir eine sehr malerische, liebliche Landschaft vor mein inneres Auge. Zu den Beschreibungen der Landschaft und Orte  gehören natürlich auch unvermeidliche Restaurant- und Cafebesuche die Dupin stets sehr genießt und über die Jean-Luc Bannalec sich gerne ausführlich auslässt :-) Ich war selber noch nie in der Bretagne, aber ich  habe den Eindruck da tatsächlich etwas verpasst zu haben, vielleicht sollte ich das mal bei der nächsten Reiseplanung berücksichtigen.

Ein bisschen wenig Krimi

Etwas weniger Raum als Dupin und die Bretagne nimmt der Kriminalfall, ein. Nicht das die Geschichte nicht spannend oder schlecht konstruiert wäre, aber sie gerät zu oft hinter den Landschaftsschilderungen und Dupins Gedankengängen ins Abseits, was ich persönlich ein bisschen schade finde. Trotzdem hat Bretonische Verhältnisse mir gut gefallen, Jean-Luc Bannalecs ruhige, unaufgeregt Art die Geschichte zu erzählen fand ich sehr angenehm und ich habe das Buch so ziemlich in einem Rutsch gelesen.

Mein Fazit:

Bretonische Verhältnisse ist ein typischer „Schmöker“ – wunderbar erzählt und geschrieben. Genau das richtige für einen gemütlichen, entspannten Nachmittag auf der Couch oder dem Balkon.

Buchinfos

  • Titel: Bretonische Verhältnisse
  • Autor: Jean-Luc Bannalec
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Genre: Krimi
  • Erscheinungsjahr: 2012
  • ISBN: 978-3-462-04406-5
  • Format: broschiert,  304 Seiten
  • Preis: 14,99 €
  • Bestellung: Kiepenheuer & Witsch

Reiheninfo

  • Bretonische Verhältnisse
  • Bretonische Brandung
  • Bretonisches Gold
  • Bretonischer Stolz
  • Bretonische Flut
  • Bretonisches Leuchten

Hallo! Mein Name ist Tina und ich blogge hier…hauptsächlich über Bücher und allem was dazu gehört. Ich würde mich freuen, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt oder meinen Beitrag teilst.

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