Die Mädchenwiese

[Rezension] Die Mädchenwiese

Die Mädchenwiese von Martin Krist hatte ich jetzt schon eine Weile im Regal liegen, aber ich gebe zu, dass Bücher die mich irgendwie täglich bei Facebook und Co. förmlich anspringen ein bisschen nerven. Das Mittelmaß zwischen zu viel und zu wenig Werbung ist vermutlich schwer zu treffen – hier war es mir eindeutig zu viel. Aber nachdem es dann ein bisschen ruhiger darum geworden war, erwachte dann auch meine Neugierde wieder :-)

Update: Mittlerweile habe ich ja schon mehr als ein Buch von Martin Krist gelesen – z.B. Märchenwald – und bin immer wieder beeindruckt…

Die Mädchenwiese

Martin Krist

Die 16-jährige Lisa wohnt im eher beschaulichen Örtchen Finkenwerda und ist von dem,  was so ein kleiner Ort ihr bieten kann gelangweilt. Ein geheimnisvoller Freund, der ihr ein tolles Wochenende in Berlin verspricht – im Gegensatz zu einem Wochenende mit einem kleinen, nervigen Bruder und einer ständig nörgelnden Mutter klingt das wie das Paradies.  Kurzentschlossen packt sie Freitags ein paar  Sachen, verdonnert ihren kleinen Bruder Sam dazu den Mund zu halten und macht sich auf den Weg in die Stadt. Erst am Montag wird ihr Verschwinden bemerkt und eine fieberhafte Suche beginnt.

Früher hatte Laura die Gartenarbeit geliebt, stundenlang in der Sonne und an der frischen Luft verbracht. Früher war vieles anders gewesen. Die Mädchenwiese, S. 27

Mein Eindruck:

Beeindruckendes Tempo und steile Spannungskurve…

Diverse Handlungsstränge

Die Mädchenwiese wird in verschiedenen Handlungssträngen erzählt, die sich nach und nach immer mehr miteinander verbinden. Oft sind einzelne Abschnitte sehr kurz und enden dann mit ziemlich gemeinen Cliffhangern.  Die vielen, schnellen Szenen – und Perspektivwechsel haben mich zu Anfang ziemlich verwirrt, aber wenn man sich erst mal in die Geschichte eingefunden hat und weiß, wer wer ist, dann sorgen sie dafür, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.

Wer ist der Täter?

Ab der Mitte der Handlung war mir eigentlich klar, warum der Täter tut, was er tut. Nur leider kam ich überhaupt nicht darauf, welche der handelnden Personen denn nun zu der Beschreibung gehört. Das ist mindestens so gemein, wie die vielen Cliffhanger :-)

Dabei sind alle Personen wirklich sehr detailliert und genau ausgearbeitet und man kann sich durchaus auch mit der einen oder anderen Figur identifizieren.

  • Die stetig überarbeitete, alleinerziehende Mutter die zwischen schlechtem Gewissen, Finanznot und persönlichen Bedürfnissen hin – und herpendelt und dabei übersieht, wie es in ihren Kindern aussieht.
  • Der schüchterne Sam, dem niemand zuhört,  dem eigentlich auch niemand zutraut, dass er wirklich etwas zu Lisas Verschwinden sagen kann und der sich immer mehr zurückzieht.
  • Der Ex-Polizist, der sich als Kneipenwirt versucht und dessen Interesse an dem Fall ihn plötzlich zum Verdächtigen macht.
  • Die alte Frau, die in ihrer Kindheit und Jugend schreckliche Dinge erlebt hat, die sich völlig in sich selbst zurückgezogen hat  und die als Einzige wirklich etwas über die Vorfälle weiß
  • Lisa, der das Leben im Dorf einfach zu öde ist, die mehr von ihrem Leben erwartet und die vor allem mehr von ihrer Mutter erwartet.

Jede dieser Personen könnte jemand sein, den ich kenne oder ich finde mich zu einem Teil in ihnen wieder und so leide, ängstige oder ärgere ich mich das ganze Buch hindurch mit ihnen und hoffe auf ein gutes Ende.

Von beeindruckend bis beängstigend

Am meisten beeindrucken, berühren und ängstigen natürlich die Teile der Geschichte, die mit der Vergangenheit der alten Frau und mit Lisas Entführung zu tun haben. Ohne allzu viele blutige, eklige Details schafft es Martin Krist hier die Fantasie anzuheizen und ja, da liefen auch mir, trotz einer gut geheizten Wohnung, kalte Schauer über den Rücken.

Mein Fazit:

Ein Thriller, der diese Bezeichnung ohne Zweifel verdient und auf das momentan übliche Gemetzel verzichtet. Ich finde es auf jeden Fall wesentlich spannender, wenn ein Buch mit meinen Ängsten und meiner Fantasie spielt, statt einfach nur auszutesten wo meine Ekelgrenze ist .

Buchinfos

Hallo! Mein Name ist Tina und ich blogge hier…hauptsächlich über Bücher und allem was dazu gehört. Ich würde mich freuen, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt oder meinen Beitrag teilst.

Über Tina

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2 Kommentare zu “[Rezension] Die Mädchenwiese

  1. Eine interessante und aussagekräftige Rezension, liebe Tina. Ich bin ähnlich skeptisch und fühle mich schnell genervt, wenn Bücher sehr oft präsentiert werden auch manch ein Hype ist mir zu viel.

    Viele Grüße
    Nisnis

    1. Hallo Nisni,
      ich warte immer ganz gerne ab, bis der Hype vorbei ist. Am Ende findet man dann aber doch immer mal wieder tolle Bücher inmitten der Hype-Wellen :-)

      LG
      Tina

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