Die Magier

[Rezension] Die Magier

Bisher hatte ich von Pierre Grimbert und seinem epischen Werk Die Magier noch nicht viel gehört – ein Jammer wie ich mittlerweile weiß :-) Obwohl 1.120 Seiten am Stück schon ziemlich viel sind :-)

Die Magier

Pierre Grimbert

Vor mehr als 100 Jahren lockte ein Fremder Abgesandte aus allen Teilen der bekannten Welt auf die geheimnisvolle Insel Ji. Was dort passierte, blieb für immer ein wohlgehütetes Geheimnis. Einige der Abgesandten kehrten nie wieder zurück und die paar, die es wieder zurück nach Hause schafften, schwiegen beharrlich für den Rest ihres Lebens. Aber sie hielten Kontakt und sorgten dafür, dass auch ihre Nachkommen nie den Kontakt zueinander verloren, auch wenn sie nicht wussten, warum sie regelmäßig voneinander hörten.

Eine Serie von Mordanschlägen auf diese  Nachkommen bleibt deshalb nicht lange geheim und die verbliebenen Erben beschließen, der Sache gemeinsam auf den Grund zu gehen. Sechs von ihnen treffen sich und wollen das Geheimnis um die Insel Ji ergründen. Eine abenteuerliche und gefährliche Reise beginnt und im Laufe der Reise begreifen sie, dass hinter den Kulissen etwas sehr Bedrohliches passiert. In einer alten Bibliothek erfahren sie mehr dazu, mehr als sie eigentlich wissen möchten.

Aber auch ihr Gegenspieler schläft nicht und versucht weiterhin alles, um die Nachfahren daran zu hindern, die Welt zu warnen. Irgendwann erfahren die Erben, dass sie in die Unterwelt hinabsteigen müssen, um den Ursprung der Gefahr zu beseitigen. Dort erwarten sie gefährliche Dämonen, grausame „Wesen“  und hinterlistige Fallen, die sie besiegen müssen. Zu allem Überfluss werden sie dann auch noch getrennt und wissen doch, dass sie nur gemeinsam gegen den übermächtigen Feind bestehen können.

Mein Eindruck:

Gefährten des LichtsNoorts sechster Sinn hatte ihm schon mehr als einmal das Leben gerettet, und nun läutete es in seinem Kopf lauter als die sechshundert Glocken von Leem. Die Magier(Die Gefährten des Lichts) S. 17

 

Vorstellung der Protagonisten

Der Einstieg in die  Magier-Serie ist ein bisschen mühsam. Sehr viele verschiedene Charaktere an unterschiedlichen Orten wollen erst einmal vorgestellt werden. Das macht gleich zu Beginn die Sache ein bisschen unübersichtlich und auch ein bisschen langatmig. Aber ich finde, es lohnt sich beharrlich dran zu bleiben. Pierre Grimbert nimmt sich viel Zeit, seine Protagonisten  zu charakterisieren, was ein wenig zu Lasten des Inhaltes geht und auf den ersten Blick ein bisschen behäbig wirkt. Aber seine immer wieder eingestreuten Andeutungen und Hinweise halten bei neugierigen Lesern das Interesse wach und diese werden dann auch im Laufe der Geschichte dafür belohnt :-)

 

Krieger der DämmerungAlles was ich bisher gelernt hatte, beruhte auf drei Werten: Wissen, Toleranz und Frieden. Die drei Tugenden der Weisen. Die Magier (Krieger der Dämmerung) S. 259

 

 

Entschlüsseln der Geheimnisse

Nachdem im ersten Band bzw. im ersten Teil des Buches die Geheimnisse der Insel Ji im Vordergrund stehen und ergründet werden, gilt es dann im zweiten Teil den Widersacher zu identifizieren. Dazu kommen die ganz persönlichen Probleme der Helden, die nicht alle unbedingt darauf brennen, sich einem Gegner zu stellen, der schon so viele aus ihren Reihen getötet hat. Auch in diesem Band geht es eher weniger actionlastig zu, aber es kommt schon zu diversen Konfrontationen und Kämpfen. Trotzdem liegt der Hauptfokus auch hier wieder auf der Lösung der Geheimnisse, was wiederum neue Geheimnisse ans Tageslicht bringt. Aber die Erben haben dazu gelernt, können ihr Kräfte besser einschätzen und auch besser einsetzen.

 

Götter der NachtDer Heiler hatte sein bestes gegeben. Jetzt blieb ihnen nichts anderes übrig, als abzuwarten und zu hoffen. Die Magier( Götter der Nacht) S. 527

 

 

Das personifizierte Böse

Im dritten Teil betreten die Charaktere dann die Unterwelt, mit all ihren Schrecken und Dämonen. Hier begreifen sie schnell, dass sie alleine nie bestehen können, sondern nur gemeinsam gegen das Böse etwas erreichen können. Hier lernt man  als Leser auch das erste Mal tatsächlich den Gegner unserer Helden kennen, der bisher eher schemenhaft und nebulös erschien. Dabei wird das ganze Ausmaß des Konfliktes erstmals wirklich deutlich und auch die Gefahr, in der nicht nur die Erben schweben, wird klar benannt. Insgesamt ist dieser dritte Teil etwas weniger strukturiert und dient hauptsächlich dazu alle, die Charaktere und die Leser, auf den entscheidenden Endkampf vorzubereiten. Das wird durch ein mehr an Action erreicht, aber auch durch ein mehr an kryptischen Rätseln, was für mich manchmal den Lesefluss ein bisschen störte.

 

Kinder der EwigkeitEr fragte sich, ob er vielleicht noch zu weit von der Pforte entfernt war. Langsam trat er einen Schritt vor. Und ´war im Jal’dara. Die Magier(Kinder der Ewigkeit) S. 781

 

 

Der ersehnte Showdown

Der letzte Teil bringt dann auch tatsächlich den Showdown, den Endkampf zwischen Gut und Böse. Offene Handlungsfäden laufen hier zusammen – allerdings nicht ohne weitere Fragen aufzuwerfen, die dann am Ende auch manchmal offen bleiben.  Da hier aber auch der Gegenspieler mehr Raum einnimmt und seine Gedankengänge offengelegt werden, versteht man das Eine oder Andere auch wieder besser. Aber auch die Helden kommen nicht zu kurz und liefern sich ein erbittertes Duell mit ihrem Gegner. Allerding nicht auf die blutige, martialische Art sondern eher auf spirituelle Art – was nicht weniger spannend ist. Auch wenn in diesem letzten Duell vieles entschieden und erklärt wird, alles löst sich nicht und so bleibt Raum für die eigene Fantasie – oder für eine Fortsetzung :-)

Der Schreibstil

Pierre Grimbarts Schreibstil zu beschreiben ist schwierig :-) Er legt sehr viel Wert darauf, seine Charaktere ausgiebig zu beschreiben und auch ihre Entwicklung glaubhaft darzustellen. Auch die Ausdrucksweise wirkt manchmal eine bisschen antiquiert, Landschaftsbeschreibungen gestalten sich schon mal üppig – aber alles zusammen vermittelt eine sehr bildhafte Darstellung von Land, Leuten und Handlung. Wer eine gradlinige Handlung mit viel Action und Zauberei erwartet, ein sauberes, alles erklärendes Ende voraussetzt, der wird enttäuscht sein. Wer Tolkiens Herr der Ringe in Buchform schon langatmig und schwierig fand, wird mit Die Magier sicher nicht glücklich werden. Wer allerdings, so wie ich, Tolkiens Trilogie liebt, der wird auch Grimberts Werk lieben. Wer komplexe, eigenwillige Inhalte mag und auf die Entwicklung der Charaktere Wert legt, der wird auch Die Magier lieben.

Die Magier Einzelbände

Ganz am Ende – das Glossar

Am Ende der wirklich vielen Seiten findet sich ein umfangreiches Glossar. Dort werden jede Menge Begriffe erklärt, die im Buch vorkommen. Ich habe das Glossar dann auch eher zufällig entdeckt, da ich mir eigentlich nie die letzten Seiten zuerst ansehe, aber mir hat auch keine der Erklärungen gefehlt :-) Diese komplette Saga als ein Taschenbuch herauszugeben ist schon reichlich mutig – die Seiten sind sehr dünn, sonst wäre das gesamte Buch sicher zu schwer geworden. Irgendwie erinnerten sie mich an die dünnen Seiten meines alten Gesangbuches aus Schulzeiten :-) Allerdings fürchte ich, mehrmals lesen kann man dieses Taschenbuch nicht, ohne das es Schaden nimmt. Schon jetzt, nach einmaligem Lesen,  sieht man es dem guten Stück deutlich an und es lässt sich auch während des Lesens nicht sonderlich gut halten.

Mein Fazit:

Für mich steht Pierre Grimberts Magier-Saga ohne Zweifel in einer Linie mit Tolkiens Herr der Ringe. Eine komplexe, gut durchdachte Handlung – die aber nie wirklich gradlinig erzählt wird, auf allzu viel Action verzichtet – und das auch locker kann. Ein Großteil der Spannung entsteht hier durch die Entwicklung und Eigenheiten der Charaktere und durch die durchweg detaillierten und liebevollen Beschreibungen.

Buchinfos

  • Titel: Die Magier – Komplette Saga
  • Originaltitel: Le Secret de Ji: Six héritiers, Le serment orphelin, L’Ombre des Anciens, Le Doyen éternel
  • Autor: Pierre Grimbert
  • Übersetzer/in: Sonja Finck
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Genre: Fantasy/ High Fantasy
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • ISBN: 978-3-453-53428-5
  • Form: TB,  1.120  Seiten
  • Preis: 16,99 €
  • Bestellung: Heyne Verlag

Über Tina

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