Du stirbst nicht allein

[Rezension] Du stirbst nicht allein

Als Du stirbst nicht allein bei mir eintraf, habe ich einen Thriller erwartet,  den habe ich auch bekommen, irgendwie. Oder doch nicht?

Du stirbst nicht allein

Tammy Cohen

Ein Killer erschüttert London. Er tötet in ziemlich großem, zeitlichem Abstand und er tötet immer kleine Mädchen. Ihre Leichen werden in abgelegenen Waldstücken gefunden und auf ihrem Schenkel wurde das Wort „Sorry“ geschrieben. Trotz fieberhaften Ermittlungen wurde der Täter nicht gefunden und dann verschwindet die kleine Poppy Glover. Erneut beginnt die Suche nach dem Schuldigen und erneut wird das Leben der Hinterbliebenen durcheinander gewirbelt.

Gestern um diese Zeit war nichts von alldem hier real. Gestern um diese Zeit wurde sie nur vermisst. Hoffnung und Möglichkeit atmeten noch in mir wie ein Ding, das sich im Dunkeln verborgen hält. Du stirbst nicht allein, Prolog

Mein Eindruck:

Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich. Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi

Viele Perspektivwechsel

Die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt. Da gibt es die Eltern der vier toten Mädchen, die Geschwister, eine nervige Reporterin und unzählige Polizeibeamte, die an dem Fall arbeiten. Zwischendurch verwirrten diese Wechsel mich, da ich nicht immer wusste, wer gerade dran ist und ich immer einen Moment brauchte um zu verstehen, wessen Perspektive da geschildert wurde. Normalerweise erhöht dieser Wechsel der Perspektiven ja das Tempo einer Erzählung, in diesem Falle eher nicht.

Ruhige Verhaltensstudie

Insgesamt ist Du stirbst nicht allein eher ruhig erzählt, für mein Empfinden etwas zu ruhig – denn es passiert über weite Strecken eigentlich nichts. Große Teile drehen sich ausschließlich um das Befinden der Familien der getöteten Mädchen und wie sich deren Leben nach der Tat verändert hat. Andere Teile behandeln das Leben der Ermittler, die an allen vier Fällen gearbeitet haben. Es ist sicherlich in einem bösen, voyeuristischem Sinne interessant zu sehen, was die Taten aus dem Leben der Angehörigen gemacht hat – aber ich finde es nicht sonderlich spannend.

Schlechtes Gewissen

Ich hatte beim Lesen schon immer ein schlechtes Gewissen dabei, aber irgendwann nervte mich das geschilderte nur noch. Ja, ich weiß schon, wie schwer es sein muss, so einen Schicksalsschlag zu erleiden und, dem Himmel sei Dank, habe ich keine persönlichen diesbezüglichen Erfahrungen. Aber ich mag das Leben anderer nicht so sezieren und quasi mikroskopisch betrachten.  Ich konnte einzelne Personen innerhalb der Geschichte sicherlich verstehen, aber wirklich mitfühlen konnte ich nicht.

Mehr  Drama als Thriller

Als  Schicksalsdrama oder wie auch immer man so etwas bezeichnen möchte, ist es sicherlich gut und einfühlsam geschrieben. Es gibt auch immer mal wieder wechselnde Verdächtige, die aber in dem ganzen Wust der Beteiligten und deren Gefühlen untergehen. Der eigentliche Täter kommt nur am Rande vor, ebenso wie die eigentlichen Opfer. Gewisse Enthüllungen ganz am Ende des Buches sind tatsächlich überraschend – aber mir reicht das nicht für einen Thriller.

Mein Fazit:

Du stirbst nicht allein dreht sich hauptsächlich um das Leben von Angehörigen nachdem ihr Kind brutal ermordet wurde. Der aktuelle Fall und die dazu gehörigen Ermittlungen kamen mir eher vor wie notwendige Randerscheinungen und die überraschenden Enthüllungen am Ende des Buches machen daraus für mich noch immer keinen Thriller.

Buchinfos

  • Titel: Du stirbst nicht allein
  • Originaltitel: First One Missing
  • Autor: Tammy Cohen
  • Übersetzer/in: Bernd Stratthaus
  • Verlag: Blanvalet
  • Genre: Psychothriller
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • ISBN: 978-3-7341-0437-4
  • Form: TB,  400  Seiten
  • Preis: 9,99 €
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Über Tina

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