Fest der Finsternis

[Rezension] Fest der Finsternis

Fest der Finsternis ist ein historischer Thriller, der im Paris von 1805 angesiedelt ist.  Ich mag Bücher, die in der dieser Zeit handeln, wenn sie denn gut geschrieben und recherchiert sind – beides ist bei Fest der Finsternis der Fall :-)

Fest der Finsternis

Ulf Torreck

In den Gassen von Paris tauchen immer wieder grausam verstümmelte Leichen junger Frauen auf und versetzen die Pariser  immer mehr in Panik. Alle diese Frauen haben kurz vor ihrer Ermordung entbunden und die Kinder bleiben verschwunden. Minister Joseph Fouché, Chef der Polizei,  ruft den in Ungnade gefallenen Louis Marais aus dem Exil zurück und beauftragt ihn, den Mörder zu finden. Marais  ist bekannt für seinen Spürsinn und seine Verbissenheit, wenn es gilt, einen Fall zu lösen aber auch er gerät hier an seine Grenzen. Notgedrungen tut er sich mit einem alten Erzfeind zusammen, dem Marquis des Sade, der im  Irrenhaus Charenton sein Dasein fristet.

Saint-Michele war eine mittelalterliche Festung an der Atlantikküste, in der man besonders gefährliche Straftäter verwahrte. Sie war berüchtigt für die ungewöhnlich hohe Sterberate unter ihren Gefangenen. Es hieß, in ihren Kasematten lebt eine besonders große Spezies Ratten, die sich an den Gefangenen fett fraß. Fest der Finsternis, S. 150

Mein Eindruck:

Es gibt Bücher die sind einfach gut, manche sind besonders gut und manche sind einfach der Hammer – Fest der Finsternis ist so ein Hammer-Buch.

Detailliert und bildhaft

Gleich zu Beginn stimmt Ulf Torreck seine Leser darauf ein, sich im Jahre 1805 wiederzufinden. Seine Beschreibungen der Orte und Personen sind sehr detailliert und bildhaft, so dass ich mich nach sehr kurzer  Lesezeit tatsächlich wie im Paris der damaligen Zeit gefühlt habe. Gott sei Dank blieb mir das Geruchserlebnis allerdings erspart :-) Nicht erspart blieben mir natürlich die Opfer, die allesamt einen sehr grausamen Tod starben und deren Geheimnis es zu ergründen galt. Keine einfache Aufgabe, so ganz ohne moderne Technik – umso spannender fand ich es zu beobachten, wie man auch ohne elektronische Datenbanken und der heute allgegenwärtigen Genanalyse an sein Ziel kommt.

Feuer und Wasser

Ein Großteil der Geschichte  lebt, abgesehen von dem geschickt konstruierten Fall natürlich, von dem ewigen Geplänkel zwischen de Sade und Marais. Die beiden können sich so überhaupt nicht leiden, machen daraus auch gar kein Hehl und sind doch aufeinander angewiesen. Trotz aller Schicksalsschläge ist Marais immer noch ein gläubiger Mensch mit einem gewissen Gottvertrauen, was man von de Sade nun überhaupt nicht sagen kann. Er ist ein Gotteslästerer mit einem, milde ausgedrückt,  sehr speziellen Sexualleben und macht daraus auch kein Geheimnis. Dadurch geraten die beiden immer wieder aneinander, aber da beide ausgesprochen intelligent und gebildet sind, sind diese Streitereien  wirklich amüsant zu lesen.

Toll recherchiert

Beeindruckt hat mich an dieser Geschichte vor allem, dass es eine Menge der Personen tatsächlich gegeben hat. Angefangen vom Marquis de Sade, der der Ursprung des Begriffes Sadismus ist, über Inspektor Louis Marais, der seinerzeit dem echten Marquis de Sade  tatsächlich auf den Fersen war, bis zu Minister Joseph Fouché, den es auch wirklich in der entsprechenden Zeit gegeben hat. Ob er allerdings auch so korrupt und intrigant war? Keine Ahnung :-) Auch die Örtlichkeiten, wo Marais und de Sade Unterschlupf bei den Zigeunern fanden, die passenderweise ebenfalls „Marais“ – der Sumpf genannt werden, gab bzw. gibt es tatsächlich.

Grandioses  Zusammenspiel

Das Zusammenspiel von wirklich hervorragend recherchierten Hintergründen und einem sehr spannenden, ein bisschen okkulten, Fall ist meiner Meinung nach in Fest der Finsternis grandios gelungen. Auch die Auflösung des Geheimnisses ist außerordentlich  spannend, überraschend und gut gelungen und ich habe wirklich keine einzige der 670 Seiten, die das Buch immerhin hat, bereut. Im Prinzip hätten es von mir aus auch noch ein paar mehr sein dürfen :-)

Mein Fazit:

Ein ganz außergewöhnlicher, fesselnder, historischer Thriller,  der sicherlich seinesgleichen sucht. Wie brutal oder nicht brutal man das Ganze findet, hängt sicherlich vom persönlichen Empfinden ab – aber als geübter Thriller-Leser ist mir schon heftigeres untergekommen.

Buchinfos

  • Titel: Fest der Finsternis
  • Autor: Ulf Torreck
  • Verlag: Heyne Hardcore
  • Genre: Thriller/ historischer Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • ISBN: 978-3-453-67713-5
  • Form: TB,  672  Seiten
  • Preis: 14,99 €
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Über Tina

Hallo! Mein Name ist Tina und ich blogge hier...hauptsächlich über Bücher und allem was dazu gehört. Ich würde mich freuen, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt oder meinen Beitrag teilst.

6 Kommentare zu “[Rezension] Fest der Finsternis

  1. Ich habe es auch gerade gelesen, die Rezis kommt heute oder morgen. Insgesamt wirklich ein sehr gutes Buch, wobei sich die Auflösung (der Monolog) viel zu sehr gezogen hat und auch total das Klischee von wegen „Villain plaudert nach dem vermeintlichen Sieg seinen kompletten Plan aus“ erfüllte. Außerdem könnte ich irgendwann die Worte „Altes Scheusal/ Ungeheuer“ nicht mehr sehen :D. Davon ab war es aber echt lesenswert, spannend und unterhaltsam.

    1. Der Monolog war vielleicht ein bisschen lang, aber „Altes Scheusal“ ist mir jetzt nicht so in Erinnerung geblieben :-) Könnte aber auch daran liegen, dass ich von der echt guten Recherche ganz hin und weg war :-)

      LG
      Tina

  2. Ich suche gerade Motivation mit dem Buch anzufangen, da ich keine Lust verspüre ins 18.Jahrhundert abzutauchen. Ein wenig hast mich aus dem Loch herausgeholt :3

    Kennst du das ebook? Quasi die Vorgeschichte dazu? Lohnt sich! Ist for free auf amazon verfügbar.
    *wühl*
    „Vor der Finsternis“ und seh grad, inzwischen kostet es was, aber € 1,49 ist auch nicht viel ;)

    1. Freut mich, wenn ich dir ein wenig mehr Lust auf das Buch gemacht habe :-)

      Das Ebook kenne ich zwar und habe es mir auch heruntergeladen – aber gelesen habe ich es noch nicht. 1,49 für ein Ebook ist wirklich nicht teuer, ich hatte es allerdings noch in der kostenlosen Phase :-)

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