Loreley singt nicht mehr

[Rezension] Loreley singt nicht mehr

Vor ein paar Tagen hatte ich in einem Newsletter den Link zur Leseprobe von Loreley singt nicht mehr in meinen Emails und war ganz hin und weg davon.

Loreley singt nicht mehr

Von Judith Merchant

Jan Seidel wird am frühen Morgen zum Fundort einer Leiche gerufen, ein Angler, Heiner Menzenbach,  hatte den Toten im Rhein entdeckt und die Polizei alarmiert. Etwas übermüdet trifft Seidel wenig später am Rheinufer bei Königswinter ein und traut seinen Augen kaum denn die Leiche ist auf eine sehr bizarre Art erleuchtet und die Erklärung des Anglers dazu erscheint dem Kommissar ziemlich fadenscheinig.

Es dauert ein bisschen, bis Jan Seidel und seine Kollegin Elena Vogt die Identität des unbekleideten Mannes geklärt haben und zunächst deutet alles auf einen Selbstmord hin, was auch der Witwe durchaus logisch erscheint, da ihr Mann Gernot Schirner unheilbar erkrankt war und nicht mehr lange zu leben hatte.

Trotzdem bleiben Jan und Elena misstrauisch. Zu viele Zufälle scheinen hier zusammen zu treffen. Alle Fäden laufen in irgendeiner Form bei Menzenbach, seiner Frau und deren Nachbarn zusammen – aber warum hätten einer von ihnen den Todkranken ermorden sollen? Welche Rolle spielt Chris, Heiner Menzenbachs kleiner Sohn, der vor ein paar Jahren spurlos verschwand, dabei? Was hat es mit den Panikattacken von Marla Menzenbach auf sich und mit der rührenden Hilfe der Nachbarin auf sich? Die Kommissare setzen nach und nach das Puzzle zusammen und stoßen dabei auf immer mehr seltsame, tragische Ereignisse.

Mein Eindruck:

Sympathische Ermittler

Das ruhig, überlegt und auch mitfühlend agierende Ermittlertrio Seidel, Vogt und Bormann ist durchweg sympathisch und kämpft, neben der Lösung des Falles, mit privaten Problemen und Problemchen die einem hier und da durchaus bekannt vorkommen. Vor allem Elena, die nicht immer so genau weiß was sie will könnte durchaus verwandt mit mir sein :-)

Hauptrollen

Die Hauptrollen in diesem Buch sind für mich aber weniger die Ermittler, wie es sonst eigentlich üblich ist, sondern die beiden Familien, die während der Ermittlungen immer mehr ins Fadenkreuz von Jan Seidel und seiner Kollegin geraten. Langsam, leise aber sehr eindringlich und unaufhaltsam breitet sich das Leben und das Leiden der Familien Schirner und Menzenbach vor dem Leser aus. Ein Leben auf das man so gar nicht neidisch ist und von dem nur die Fassade aufgeräumt und gutbürgerlich ist.

Schwierige Konstellationen

Die psychisch angeschlagen Marla, die einfach alles um sich herum geschehen lässt (die ich gelegentlich gerne ein bisschen geschüttelt hätte um sie aufzuwecken)  und Juli, die unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft alles lenkt und kontrolliert, zwei eher hilflose Ehemänner die sich gerne aus dem Familienalltag heraushalten und die noch viel hilfloseren Kinder, denen niemand wirklich zur Seite steht, als sie Hilfe brauchen.

Hinter geschlossenen Türen

In den Lesepausen, die leider durch so lästige Dinge wie Spülen und Putzen nötig waren, habe ich mich immer wieder dabei ertappt, das ich über die Familien in Loreley singt nicht mehr und das Geschehen im Buch nachgedacht habe. Vielleicht sind meine Nachbarn auch gar nicht so normal, wie es den Anschein hat? Wer weiß schon wirklich, was sich so hinter geschlossenen Türen abspielt? Aber weil das Buch  so spannend war, habe ich die Lesepausen möglichst kurz gehalten um zu erfahren wie es weitergeht und gerade als dachte ich wüsste was geschehen ist, klärt sich der Fall dann doch überraschend etwas anders :-)

Wo ist Miss Marple?

Ein bisschen erstaunt war ich, dass die, in der Verlagsbeschreibung als „rheinische Miss Marple“ angekündigte, Großmutter von Jan Seidel recht wenig in Erscheinung trat. Sie hilft zwar hier und mit ein bisschen „Dorftratsch“ und großmütterlichen Lebensweisheiten aus, aber bis auf eine kurze Aktion gegen Ende des Buches beteiligt sie sich nicht wirklich aktiv am Geschehen. Allerdings hat sie mir auch nicht wirklich gefehlt und ich hätte auch ganz gut ganz auf sie verzichten können.

Spannend und berührend

Aber ob nun mit oder ohne Großmutter Seidel ist Loreley singt nicht mehr von der ersten bis zu letzten Seite spannend und sehr berührend. Ich mochte das Buch kaum aus der Hand legen und war während des Lesens so in die Geschichte vertieft, dass ich wahrscheinlich auch ein Erdbeben kaum bemerkt hätte – oder höchstens als ziemlich lästig empfunden hätte.

Eindrucksvoll ohne Blutbad

Judith Merchant hat mit Loreley singt nicht mehr auf jeden Fall eindrucksvoll bewiesen, dass ein wirklich spannendes und fesselndes Buch auch ohne massenhaft  Leichen, übertrieben Brutalität, blutige Grausamkeiten und andere eklige Details auskommt. Leider habe ich ihren ersten Krimi Nibelungenmord bisher noch nicht gelesen, aber ich denke das werde ich auf jeden Fall noch nachholen und ich freu mich jetzt schon auf einen neuen Fall für Jan Seidel und sein Team.

Mein Fazit:

Ein superspannender, intelligenter und gefühlvoller  Krimi für alle die sich gern ohne viel Blut eine Gänsehaut holen möchten.

Buchinfos

Titel: Loreley singt nicht mehr
Autor: Judith Merchant
Verlag: Droemer Knaur
Genre: Krimi
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 978-3426508640
Form: Taschenbuch,  384 Seiten
Preis: 9,99 €
Bestellung: Droemer Knaur Verlag

Hallo! Mein Name ist Tina und ich blogge hier…hauptsächlich über Bücher und allem was dazu gehört. Ich würde mich freuen, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt oder meinen Beitrag teilst.

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