Blind

[Rezension] Blind

Blind von Christine Brand hat mich mit den ganz besonderen Lebensumständen des Protagonisten angesprochen. Natürlich gibt es weitere Thriller, in den Blinde eine Rolle spielen, wie z. B. Jenny Aaron, die von Andreas Pflüger immer wieder in brenzlige Ermittlungen eingebunden wird. Aber auch Cornelius Teerjong, der etwas zynische Hobbyermittler von Lukas Erler ist ein ganz besonderer Typ Mensch. Hier ist es also Nathaniel Brenner, der nach einem Unfall erblindet ist, der nicht locker lässt.

Blind

Christine Brand

Nathaniel hört einen Schrei, dann bricht die Verbindung ab. Gerade noch telefonierte er mit einer Frau. Eine anonyme App verband die beiden, die Frau half Nathaniel dabei, das richtige Hemd zu wählen. Denn Nathaniel ist blind, doch der Schrei klang eindeutig. Was, wenn der Frau etwas angetan wurde? Verzweifelt versucht er jemanden von seiner Beobachtung zu überzeugen.

Eine unsympathische Frauenstimme rattert die Zeit herunter. Immer sind es Frauenstimmen. Die Stimme in seinem Handy, die Stimme in seinem Computer, die Stimme in seiner Uhr. Nathaniel fragt sich, warum. Er ist im Moment nicht gut auf Frauen zu sprechen. Blind, S. 13

Mein Eindruck:

Was ist Wahrheit, was ist Täuschung?

Nathaniel

Nathaniel Brenner ist seit einem Unfall in seiner Kindheit blind. Trotzdem führt er ein sehr selbständiges Leben, geht arbeiten und macht die meisten Dinge, die auch Sehende so tun. Die Beschreibung seines Lebens hat mich wirklich fasziniert, vor allem weil ich über so viele Dinge nie nachgedacht habe. So viele vermeintlich simple Dinge, funktionieren grundlegend anders, wenn man nichts sehen kann.

Be my Eyes

Für viele dieser Dinge nutzt Nathaniel die App “Be my Eyes”. Die App verbindet den Anrufer per Videochat mit einem Helfer, der ihm dann sagt, ob ein Pullover nun blau oder rot ist, ein Joghurt abgelaufen ist oder wie der angezeigte Fehlercode der Waschmaschine ist. All das geht vollkommen anonym vonstatten und im Normalfall ist das auch ganz richtig so, denn es schützt ja beiderseitig die Privatsphäre.

Reales Pendant

Eine App “Be my Eyes” gibt es tatsächlich im App-Store bei Apple, vermutlich ebenso bei Google, und ich finde die Idee dahinter wirklich cool. Oft sind es ja wirklich nur die Kleinigkeiten im Alltag, die man heute dank Handykamera ja fix jemandem zeigen kann. Ob hier dann auch die Privatsphäre so gut geschützt wird? Wer weiß – ich bin da ja eher immer skeptisch.

Privatsphäre

In diesem speziellen Fall, um den es in diesem Buch geht, ist der Schutz der Privatsphäre eher hinderlich. Eine der Helferinnen in der App wird während eine Telefonats mit Nathaniel gekidnappt. Der hört alles mit, aber niemand glaubt ihm – weder die Polizei, noch seine Verwandten. Nur MIlla Nova, eine Journalistin die mal eine Doku über Nathaniels Leben gedreht hat ist bereit ihm zu glauben.

Milla

Aber sie hat noch einen anderen Fall an dem sie arbeitet, hier geht es um einen Musiklehrer und Guru, der seine Schüler bei Akupunktursitzungen mit  HIV und gleichzeitig mit dem Hepatitis-Virus infiziert haben soll. Sie unterstützt ihn also bei der Suche, aber vieles muss er in Eigenregie herausfinden, was ihm auch gut gelingt. In der Geschichte wechseln die Perspektiven zwischen Milla, Nathaniel und Carol, dem Entführungsopfer. Da Carol hochschwanger ist, hat sie natürlich automatisch meine volle Sympathie.

Kleines Chaos

Diese verschiedenen Fälle, zusammen mit all den privaten Problemen der Hauptakteure, sorgten zwar für viel Abwechslung und Tempo, brachten aber auch viel Verwirrung und gelegentliches Chaos. Nicht immer konnte ich den schnellen Wechseln problemlos folgen und saß das eine oder andere Mal mit vielen Fragezeichen in den Augen vor meinem Buch. Trotzdem konnten Nathaniel, Milla und Carol mich überzeugen und fesseln.

Bern-Feeling

Alle Charaktere der Handlung sind wahnsinnig gut und ausführlich beschrieben, ohne jedoch zu langweilen. Ich kann sich jeden einzelnen bildlich vorstellen und meine Sympathien sind rasch verteilt. Die recht kurzen Kapitel brachten viel Tempo, der Krimiplot ist geschickt und schlüssig ausgedacht und wird für meinen Geschmack meisterlich erzählt. Ein bisschen mehr Bern-Feeling hätte ich mir gewünscht. So wie die Geschichte erzählt wird hätte sie überall zwischen Berlin und New York angesiedelt sein können, denn spezifische Bezüge zur Schweiz oder zu Bern fehlten mir völlig.

Mein Fazit:

Blind von Christine Brand ist schnell, spannend gut erzählt und bietet mit seinen ungewöhnlichen Protagonisten eine willkommene Abwechslung in der Thrillerszene. Es ist wohl der erste Teil einer neuen Reihe um Milla Nova und ich bin gespannt auf weitere Bücher mit ihr.

Buchinfos

  • Titel: Blind (Milla Nova 1)
  • Autor: Christine Brand
  • Verlag: Blanvalet Verlag
  • Genre: Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • ISBN: 978-3-7645-0645-2
  • Form: TB,  448 Seiten
  • Preis: 15,00 €

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3 Kommentare zu “[Rezension] Blind

  1. Hallo,

    eine schöne Rezension! Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen und ich bin gespannt auf den nächsten Band.

    Allerdings ist “Blind” zwar der erste Band der Reihe, der in Deutschland beim Blanvalet-Verlag erscheint, aber bereits der fünfte Band, den die Autorin mit der Protagonistin Milla Nova geschrieben hat! Die ersten vier Bände erschienen von 2009 bis 2015 beim Schweizer Landverlag.

    Ich bin noch unschlüssig, ob ich mir die anderen vier Bände gebraucht zusammenkaufen will, oder abwarten, ob Blanvalet davon noch welche neu auflegt.

    LG,
    Mikka

    1. Hallo Mikka,
      danke für dein Lob :-)
      Ich wusste gar nicht, dass es da woanders schon weitere Bücher gibt. Aber ich glaube, ich warte, ob Blanvalet die auch noch auflegt. Ich habs halt doch gerne passend und optisch harmonisch im Buchregal :-)

      LG
      Tina

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