Jähzorn gelesen

[Rezension] Jähzorn

Was fällt mir ein, wenn ich an Argentinien denke? Maradona und Fußball, Pinochet, Korruption und Diktatur, die schwermütige Musik des Tango , verschleppte Menschen und die „Madres de Plaza de Mayo“, deren Bilder viele Jahre lang durch die Presse gingen.

Zeit sich ein anderes Bild über dieses Land zu machen?

Jähzorn

Caryl Férey

Die indianische Bildhauerin Jana bittet den Detektiv Rubén Calderon den Mord an einem Freund aufzuklären. Dieser Freund war als Transvestit im Prostituierten-Milieu von Buenos Aires unterwegs und wurde dort nicht nur ermordet, sondern auch brutal entmannt.

Eigentlich will Rubèn den Auftrag gar nicht, ist er doch auf der Suche nach einer ganz anderen jungen Frau, die spurlos verschwunden scheint und eigentlich sind die spurlos Verschwundenen sein Spezialgebiet. Aber dann kommt alles ganz anders…

Mein Eindruck:

Es fällt mir dieses Mal sehr schwer meinen Eindruck zu verfassen.

Nichts für nebenbei

Jähzorn ist kein Buch, das man mal eben so nebenbei liest, das hat viele Gründe. Ein Grund ist der Sprachstil, der irgendwas zwischen ausufernd, malerisch, poetisch, bildhaft und langatmig ist.

Buenos Aires, diese übereinanderliegenden Schichten von Wohnhäusern, gepflasterten Straßen, Marmor, Eisen und Dreck, diese Heimstatt der lateinamerikanischen Revolution, die den Staatsstreich als etwas erlebte, das ihrer zweiten Natur entsprach, diese kulturell hochentwickelte, peronistische und arrogante Stadt wusste, dass ihr Goldenes Zeitalter vorüber war und niemals wiederkehren würde. Jähzorn, S. 58

Sätze wie diesen gibt es häufig, in denen ich am Ende nicht mehr wusste, um was es am Anfang ging. Noch dazu gespickt mit vielen Fremdworten, die ich immer mal wieder nachschlagen musste. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich manchmal auch ein bisschen in Sätze wie diesen verliebt habe – jedenfalls wenn ich sie das zweite oder dritte Mal gelesen habe.

Titel und Inhalt

Ein Grund ist, dass mir der eigentlichen Krimihandlung etwas wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Für mich ging es in Jähzorn nicht um den Mord an dem Transvestiten. Der und dessen Aufklärung verschwanden viel zu oft hinter den Lebensgeschichten und Erinnerungen von Jana und Rubén. Beide sind schrecklich, gingen mir unter die Haut und haben mich berührt, aber sie hatten nicht wirklich etwas mit der Tat zu tun und das erwarte ich wenn ich einen Thriller lese. Sowohl Titel als auch Klappentext versprachen mir etwas was ich nicht bekam, aber ich schätze dafür kann der Autor nichts.

Trotzdem verliebt

Trotzdem habe ich dieses Buch sehr gerne gelesen, habe gerne das eine oder andere nachgeschaut um zu verstehen, worum es ging. Manche Sätze (so wie oben) haben mich genervt – aber nicht so sehr, dass ich das Buch hätte abbrechen wollen. Obwohl ich auf Grund des Titels etwas ganz anderes erwartet hatte, hat Caryl Férey es geschafft, dass ich mich seinen Worten irgendwie nicht entziehen konnte – ich fühlte mich quasi magisch angezogen :-) Aber ich finde, so muss Lesen auch manchmal sein.

Mein Fazit:

Jähzorn ist ein völlig anderes Buch, als die meisten Bücher, die ich sonst so lese. Aber anders bedeutet nicht, dass es schlechter ist. Ich musste mich eine Weile zwingen, mich auf die Art der Sprache einzulassen und auch auf die Geschichte – aber dann habe ich mich doch in dieses Buch verliebt. Wer einen schnellen, spannenden 08/15 Thriller sucht ist mit Jähzorn nicht gut bedient – wer aber bereit ist mal etwas andere (erzählerische) Wege zu gehen, wird auf jeden Fall mit einem besonderen Buch belohnt.

Buchinfos

  • Titel: Jähzorn
  • Originaltitel: Mapuche
  • Autor: Caryl Férey
  • Übersetzer/in: Michaela Meßner
  • Verlag: Limes
  • Genre: Krimi/Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • ISBN: 978-3-8090-2631-0
  • Form: Taschenbuch,  544  Seiten
  • Preis: 14,99 €

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