Der Glaspavillon

[Rezension] Der Glaspavillon

Der Glaspavillon von Nicci French ist  in 2020 zwar neu im Penguin Verlag erschienen, aber grundsätzlich ist das Buch 1997 bereits das erste Mal im Original erschienen. Da ändert sicher nichts am Inhalt oder ander Qualität des Buches, trotzdem fände ich es irgendwie kundenfreundlicher wenn das genauso prominent kommuniziert würde, wie die wahnsinnig spannende Meinung einer halbwegs bekannten Frauenzeitschrift zum Buch. Aber egal – ich mag Nicci French und lass mich mal überraschen :-)

Der Glaspavillon

Nicci French

Die Architektin Jane Martello plant einen Glaspavillon am Stammsitz der Familie in die sie vor langer Zeit eingeheiratet hat. Jetzt werden sie und ihr Mann sich scheiden lassen – in bestem Einvernehmen versteht sich – und der Pavillon ist so etwas wie ein Abschiedsgeschenk an die Familie. Doch beim Ausheben der Baugrube stossen die Arbeieter auf ein menschliches Skelett, das sich später als die sterblichen Überreste von Natalie Martello, Janes bester Freundin in der Jugendzeit entpuppt. Sie verschwand vor 25 Jahren spurlos – aber was passierte damals tatsächlich? Bisher wurde das nie wirklich geklärt.

Ich schließe die Augen. In meinem Kopf ist alles noch da. Der morgendliche Dunst, der sich den Konturen des Bodens anschmiegt. Die beißende Kälte, die mir in der Nase schmerzt. Ich muß alle Kraft aufbieten, wenn ich mir ins Gedächtnis zurückrufen will, was sich an jenem Tag, an dem wir die Knochen – ihre Knochen – entdeckten, sonst noch zugetragen hatte. Der Glaspavillon, S. 7

Mein Eindruck:

Was passierte wirklich vor 25 Jahren?

Langwieriger Einstieg

Der Einstieg in das Buch gestaltet sich für mich ein bisschen langwierig und gelegentlich durchaus zäh. So viele Personen werden vorgestellt, alle mit sehr unterschiedlichen Eigenheiten und speziellen Gewohnheiten und ziemlich rasch verliere ich hier den Überblick. Wirklich irritiert war ich allerdings, als ich später feststellte, dass etliche der vorgestellten Personen, die ich mir mit viel Mühe gemerkt hatte, gar keine weitere Rolle spielten.

Merkwürdige Familie

Ebenfalls sehr verwirrend fand ich das Verhältnis der Familienmitglieder untereinander – wieso schenkt man seinem Beinahe-Ex einen recht luxuriösen Gartenpavillon? Vermutlich damit genau das passierte, was eben passiert ist. Die sterblichen Überreste eine vor 25 Jahren verschwundenen Jugendfreundin tauchen auf und die Gerichtsmedizin stellt dann auch noch fest, das Natalie Martello zum Zeitpunkt ihres Todes schwanger war. Jane ist traurig und bestürzt, beschließt aber herauszufinden, was damals passiert ist.

Erinnerungslücken schließen

Da Janes Erinnerungen an diese Zeit aber unerklärlicherweise recht lückenhaft sind, beschließt sie die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen. Diese Therapie bringt tatsächlich Licht ins Dunkel und fördert so einiges zu Tage – trotzdem waren gerade diese Passagen oft sehr ermüdend und unspannend. Es gab in diesen Erinnerunge zu viele unwichtige Nebenhandlungen und Charaktere, das lenkte immer wieder zu weit von der eigentlichen Krimihandlung weg. Hier wurde auf jeden Fall viel Potential verschenkt.

Das Spinnennetz

Erst als Janes Erinnerungen greifbarer werden und sie mit den Familienmitgliedern über Natalie sprechen will, nimmt die Geschichte wieder etwas fahrt auf. Eine Mauer des Schweigens tut sich vor ihr auf und entlarvt den vordergründigen Zusammenhalt der Familie. Die Familie ist in diesem Falle weniger ein schützendes, alles umspannendes Dach unter dem Liebe und Geborgenheit vorherrscht, sondern mehr ein Spinnennetz, in dem sich jeder unweigerlich verfängt und verheddert – und aus dem man kaum entkommen kann.

Überraschend spannendes Ende

Zum Ende hin steigert sich die zaghaft aufgebaute Stimmung dann tatsächlich noch zu einem ziemlich furiosen Ende und die letzten 80 – 100 Seiten zeigen dann, zu was das Autorenduo hinter dem Namen Nicci French fähig ist :-) Der Glaspavillon war 1997 das erste Buch der beiden und in der Folge steigerten sie sich noch gewaltig – was sicherlich auch notwendig war. Neuere Bücher und diverse Serien unter Nicci French fand ich deutlich spannender, obwohl dieses frühe Werk durchaus auch seine Reize hatte.

Mein Fazit:

Der Glaspavillon von Nicci French hatte zwar durchaus seine Längen, überzeugte mich aber mit seiner psychologischen Raffinesse und der überraschenden Auflösung. Wer ein bisschen Geduld beim Lesen mitbringt findet hier ein durchaus spannendes Erstlingswerk :-)

Buchinfos

  • Titel: Der Glaspavillon
  • Originaltitel: Memory Games
  • Autor: Nicci French
  • Übersetzer/in: Barbara Reitz, Petra Hrabak, Lothar & Christine Strüh
  • Verlag: Penguin Verlag
  • Genre: Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2020 (im Original 1997)
  • ISBN: 978-3-328-10532-9
  • Form: TB,  400 Seiten
  • Preis: 10,00 €

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