hist. Krimis/Thriller/Romane
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[Rezension] Die dunklen Stunden der Nacht

Die dunklen Stunden der Nacht

Die dunklen Stunden der Nacht von Jim Kelly ist der Auftaktband einer neuen Reihe die in Cambridge um das Jahr 1939 angesiedelt ist. Ich lese immer wieder gerne historische Krimis und so hat mich die Werbung für dieses Buch neugierig gemacht. Vielleicht weil Cambridge gar nicht so oft als Kulisse in Krimis dient, die meisten historischen Stoffe sind dann doch eher in London zu finden.

Die dunklen Stunden der Nacht

Eden Brooke 1

Jim Kelly

Der 40-jährige DI Eden Brooke ist ein verwundeter Veteran des Ersten Weltkriegs, der für seinen Mut mit einer Medaille ausgezeichnet wurde. Er ist, wie so viele andere auch, ein Nachtschwärmer, denn leidet aufgrund seiner geschädigten Augen an Lichtscheu und sowieso an Schlaflosigkeit durch seine Alpträume, da er in Kriegsgefangenschaft gefoltert wurde, Umso mehr genießt er es gelegentlich nachts  im Fluss Cam schwimmen zu gehen. Eines Nachts beobachtet er dabei Soldaten, die in der Nähe des Ufers etwas vergraben – aber nähere Fragen sind zu der Zeit nicht erlaubt. Am nächsten Morgen wird eine Leiche am Fluss gefunden – auseinandergerissen von einer unglaublichen Kraft. War das tatsächlich ein Unfall mit den Sperrballons oder haben die Soldaten, die er beobachtet hat etwas damit zu tun?

Dort saß er in der Dunkelheit auf einem steinernen Sims und legte seine Brille mit den ockerbraun gefärbten Gläsern auf einen Absatz im Ziegelwerk. Verborgen in einer Holzkiste mit Schieferdeckel lag ein Leinenbeutel, der Badehose und Handtuch enthielt. Die dunklen Stunden der Nacht, S. 9

Mein Eindruck:

Turbulente Zeiten

Falscher Krieg

Die dunklen Stunden der Nacht handelt in Cambridge 1939, also in den frühen Tagen des Krieges, die gerne auch als “falscher Krieg” bezeichnet werden. England war zu der  Zeit schon offiziell mit Deutschland im Krieg, aber bisher ist faktisch noch gar nichts passiert. Man errichtet Verteidigungsanlagen wie z.B. Sperrballons (Luftschiffe, die mit Kabeln am Boden befestigt sind, um Flugzeugangriffe zu verhindern) und verlässt sich sonst auf nächtliche Blackouts.

Posttraumatische Störungen

DI Eden Brooke leidet an Schlaflosigkeit und ist ein begeisterter Nachtschwimmer und entdeckt bei einem seiner nächtlichen Schwimmausflüge dann auch erste Anzeichen, dass in der Stadt etwas nicht stimmt. Soldaten scheinen etwas am Flußufer zu vergraben, doch auf Nachfrage leugnen die Beamten das überhaupt etwas vorgefallen sei. Brooke vermutet so etwas wie Schmuggelei oder Vertuschung, doch dann tauchen die Leichen auf.

Interessante Figur

Als Protagonist ist Brooke auf jeden Fall eine interessante und einnehmende Figur. Er ist intelligent, belesen, scharfsinnig, aber auch rücksichtslos, wenn es sein muss. Er ist durch seine Eltern tief in Cambridge und in den Universitätskreisen verwurzelt und kennt entsprechend viele Wissenschaftler und wissenschaftliche Mitarbeiter dort, die immer bereit sind, ihm bei seinen Ermittlungen zu unterstützen. Dieser Umstand gewährt mir dann auch einen interessanten Einblick in diese doch eher elitären Kreise.

Nachtfalken

Brooke hat für seinen Job ein Team von „Nachtfalken“ zusammengestellt. Das sind Personen, deren Beruf oder Neigung dazu führt, dass sie die Straßen, Gebäude oder sogar Dächer von Cambridge bewohnen, während die meisten Menschen schlafen. Sie sind seine Informanten, aber durchaus auch seine Freunde, die ihm in Nacht gerne Gesellschaft leisten. Vor allem hat er aber auch einen braven Assistenten namens Edison, der mich unweigerlich an Dr. Watson bei Sherlock Holmes erinnert.

Überzeugende Atmosphäre

Über den eigentlichen Fall will ich hier gar nicht so viel erzählen, denn mir haben in diesem Buch vor allem die Atmosphäre, die Schilderungen der politischen und militärischen Machenschaften hinter den Kulissen und die recht ausführlichen allgemeinen historischen Beschreibungen gefallen. Insgesamt fühlte ich mich manchmale in bisschen wie in einem klassischen Film Noir, denn die einzelnen Szenen in den kurzen Kapiteln mich immer ein bisschen an Filmszenen, die einen neuen Ort, einen neue Situation oder einen neuen Blickwinkel zielsicher in Visier nimmt.

Mein Fazit:

Die dunklen Stunden der Nacht von Jim Kelly hat mich durch seinen Schreibstil und Art, eine gewisse Atmosphäre aufzubauen wirklich begeistert. Natürlich hat auch der spannende Kriminalfall das seine dazu getan und so fand ich das Buch rundum gelungen. Gerne mehr davon!

Buchinfos
  • Titel: Die dunklen Stunden der Nacht
  • Originaltitel: The Great Darkness
  • Autor: Jim Kelly
  • Übersetzer/in: Frauke Meier
  • Verlag: Bastei Lübbe Verlag
  • Genre: historischer Kriminalroman
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • ISBN: 978-3-404-18507-8
  • Form: TB, 416  Seiten
  • Preis: 14,90 €
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Reiheninfos
  • Die dunklen Stunden der Nacht  

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