Die Toten von Marnow

[Rezension] Die Toten von Marnow

Die Toten von Marnow von Holger Karsten Schmidt habe ich ein bisschen durch Zufall entdeckt. Ich stöbere immer wieder gerne durch Verlagsvorschauen und auch wenn ich sicher hauptsächlich eine Menge Mainstream-Bücher lese, wofür ich mich so überhaupt nicht schäme, suche ich auch immer mal wieder nach Themen, die ein bisschen anders sind.

Die Toten von Marnow

Holger Karsten Schmidt

In einer Rostocker Hochhaussiedlung wird die Leiche von Alexander Beck gefunden. Mit durchschnittener Kehle, im Bad aufgehängt und mit einer unmissverständlichen in die Stirn geritzten Botschaft. Die Wohnung wurde offenbar durchwühlt, aber ob etwas fehlt lässt sich erst einmal nicht feststellen. Als später die Kriminaltechnik kinderpornografisches Material auf dem Rechner des Toten findet, scheint die Ermittlungsrichtung klar zu sein. Doch schon bald darauf wird ein gut betuchter Rentner in einer recht gepflegten Seniorenresidenz nach demselben Schema ermordet. Welches Geheimnis teilten die beiden Ermordeten? Gab es vor allem noch mehr Mitwisser, die nun ebenfalls in Gefahr sind?

Er würde ihm die mitgebrachten Plätzchen in die Hand drücken, ein paar Worte über die alten Zeiten verlieren und ihm dann mit aufgesetzter Mündung in den Kopf schießen. Er wusste, wie er den Rückstoß aufzufangen hatte. Die Toten von Marnow, S. 9

Mein Eindruck:

Die flexible Auslegung von Gesetzen …

Ungleiches Paar

Das Ermittlerteam in die Toten von Marnow besteht hauptsächlich aus zwei Personen. Lona Mendt und Frank Elling sind zwar Kollegen, aber total gegensätzliche Persönlichkeiten. Lona Mendt wurde auf eigenen Wunsch von Hannover nach Rostock versetzt. Sie lebt in einem Wohnwagen, den sie immer wieder umsetzt, empfängt dort eher zwielichtige Gäste und pflegt ganz bewusst ihren Ruf als unabhängige Einzelgängerin.

Spießiger Beamter

Frank Elling scheint dagegen der Prototyp des zuverlässigen, aber spießigen Beamten zu sein. Er ist um die Vierzig, treusorgender Familienvater, lebt finanziell gezwungenermaßen über seine Verhältnisse, da er seiner Mutter die Demenzerkrankung erleichtern will und dazu noch versucht, seine untreue Ehefrau zu  beeindrucken. Klingt nach den üblichen Klischee-Ermittlern, aber der Eindruck täuscht :-) Beide Charaktere werden sehr plastisch und lebensnah beschrieben. Ich kann mir beide gut vorstellen und beide sind mir überwiegend sympathsich.

Devisenbeschaffung

Während der Ermittlungen stoßen die Ermittler durch einen zweiten identischen Mord auf eine Spur nach Marnow, einem kleinen Ort in Mecklenburg mit einem See, einem Campingplatz und einer Klinik. Es stellt sich heraus, dass zu DDR-Zeiten hier westdeutsche Pharmaunternehmen gegen Devisen Medikamententests in Auftrag gegeben haben. Eben diese Firmen wollen nun um jeden Preis verhindern, das alles, was damals passiert ist, ans Licht kommt. Insgesamt durchaus ein Szenario, dass ich mir gut vorstellen kann.

Ein unmoralisches Angebot

Als Mendt und Elling der Wahrheit immer näher kommen, machen die Pharmaunternehmen dem ewig klammen Elling ein sehr verlockendes finanzielles Angebot. Rein theoretisch kann er jeden zusätzlichen Cent brauche – aber lässt e sich kaufen? Die Ermittlungen nehmen derweil trotzdem ihren Lauf und schnell wird klar, dass nicht nur die Pharmaindustrie es mit den Grenzen nicht immer so genau nimmt, sondern auch die Kommissare die Gesetze recht flexibel auslegen. Einige Aktionen finde ich recht – sagen wir mal merkwürdig?

Schwarz und Weiß und Grau

Neben dem sehr spannend und intelligent ausgedachten Kriminalfall dreht sich hier vieles um die Frage, wie weit Mendt und Elling gehen. Sie lassen sehr oft Dienstanweisungen und Gesetze außer Acht und als Leser muss ich mich immer wieder fragen, ob ich das gutheiße. Manches kann ich, innerhalb der Story, nachvollziehen – anderes nicht. Aber ich weiß, dass ich bei Polizisten im realen Leben nichts davon ungeahndet hinnehmen würde, weil ich der Meinung bin, Gesetze gelten auch dann, wenn sie unbequem sind.

Deutsch-deutsche Schwierigkeiten

Die Toten von Marnow  ist ein durchgängig spannend und mitreißend erzählter Kriminalroman, dessen Ursprungsgeschichte in der jüngeren deutsch-deutschen Vergangenheit liegt. Ich mochte diese Geschichte genauso, wie ich die manchmal recht schwierigen Charaktere mochte. Außerdem liebe ich Holger Karsten Schmidts  Art zu erzählen – aber das weiß ich schon seit seinen Portugal-Krimis und von meiner Lieblings-TV-Krimireihe Nord bei Nordwest  :-). Das Ende war vielleicht ein bisschen drüber und ziemlich hollywoodmäßig, aber ich fand es immer noch passend zu den vorhergegangen Ereignissen.

Mein Fazit:

Die Toten von Marnow ist ein schneller, spannender, mit reichlich Action gespickter, Krimi und ein weiterer Beweis dafür, dass deutsche Krimis alles, nur nicht langweilig und bieder sind. Da dieses Buch der Auftakt einer Krimireihe ist und hoffe ich, der zweite Teil lässt nicht mehr allzu lange auf sich warten.

Buchinfos

  • Titel: Die Toten von Marnow
  • Autor/in: Holger Karsten Schmidt
  • Verlag: KiWi Verlag
  • Genre: Krimi
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • ISBN: 978-3-462-04794-3
  • Form: TB,  480 Seiten
  • Preis: 16,00 €

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