Ich habe es satt

[Rezension] Ich habe es satt!

Ich habe es satt! von Nils Binnberg wurde mir freundlicherweise vom Suhrkamp Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Untertitel lautet Wie Ernährungsgurus uns krank machen und sagt damit bereits sehr viel über den Inhalt aus. Ich schätze mal alleine auf Facebook bekomme ich pro Woche mehrere Angebote zu diversen unterschiedlichen Diät-Programmen, die mir jeweils die ultimative Wahrheit verkünden möchten, wie ich superschlank, superfit und supergesund werden kann – gegen Gebühr natürlich.

Ich habe es satt!

Nils Binnberg

Nils Binnberg, Autor und Reporter für diverse Radio- und Fernsehsender sowie diverse Zeitungsverlage, leidet an Orthorexia nervosa – einer Krankheit, die erst noch auf dem Weg ist, als Krankheit anerkannt zu werden. Das ging sehr vielen Krankheiten so, ist aber auch nicht der wesentliche Punkt in diesem Buch, sondern war für den Autor eher der Aufhänger, sich mal mit seinem eigenen Essverhalten auseinander zu setzen und viele Dinge und Mechanismen zu hinterfragen.

Zuletzt bin ich etwa zwanzig Ernährungslehren gleichzeitig gefolgt. Ich kannte die Nährwertangaben all meiner Nahrungsmittel auswendig. Sie mussten »bio« sein und eine leistungssteigernde Eigenschaft aufweisen. Ich habe es satt!  S. 7

Mein Eindruck:

Gesundes Essen als Zwang, aber ohne Genuss

Bauchansatz

Zuerst einmal erzählt Nils Binnberg, wie er dazu kam, sich mit all diesen Diäten oder Ernährungsformen zu beschäftigen und seinen Körper zu einem mustergültigen Gefäß für sein angeknackstes Ego zu machen. Denn mit einer, lapidaren, durchaus liebevoll gemeinten, Bemerkung seines Freundes über seinen Bauchansatz begann seine Diät-Karriere.

Peinlich

Mit einer gewissen Faszination, aber auch immer wieder peinlich berührt, las ich, was der Autor so alles auf sich genommen hat, um schlanker, schöner und fitter zu werden. Peinlich berührt war ich vor allem von der Tatsache, dass mir so vieles davon wirklich total bekannt vorkam. Denn vieles, von dem er hier spricht, habe ich selber auch schon ausprobiert – mit dem allseits bekannten Jojo-Effekt.

Pseudowissenschaftlich

In den folgenden Kapiteln widmet er sich den vielen pseudowissenschaftlichen Argumenten, mit denen in der zu jeder Diät gehörigen Industrie gearbeitet wird. Als gläubiger Jünger der jeweiligen Ernährungsphilosophie muss man auf bestimmte Teile einer eigentlich ausgewogenen Ernährung einfach verzichten, teure Ersatzstoffe zu sich nehmen und schon wird man nicht nur schön, sondern ein biblisches Alter ist auch gesichert.

Nicht-Wissen

Tatsächlich und objektiv ist nichts davon tatsächlich wissenschaftlich belegbar. Anhand vieler Beispiele führt er dem Leser immer wieder vor Augen, dass all diese vermeintlichen Ernährungsprofis im Grunde auch nichts wissen. Aber dieses Nicht-Wissen machen sie halt durch energisches, charismatisches Auftreten bei der Verkündung ihres Ernährungsplanes  wett. Dank des anhaltenden Selbst-Optimierungs-Wahns werden ihnen die Jünger auch sicher nicht ausgehen.

Essverhalten

Nils Binnberg verkündet am Ende seines Buches keine neue Methode um schlank zu werden, keine neuen heißen Tipps um locker die Altersgrenze zu überschreiten. Aber er regt auf jeden Fall an, mal über sein eigenes, vielleicht ungewollt ungesundes, Verhältnis zum Essen nachzudenken. Mir hat es auf jeden Fall geholfen, mein eigenes Verhalten zu überdenken und zu hinterfragen.

Literaturnachweis

Damit man sich selber ein umfassendes Bild über all das machen kann, gibt es ein sehr ausführliches Verzeichnis der Literaturnachweise am Ende des Buches. Schließlich hat man je in etlichen Seiten vorher gelernt, dass man nicht alles glauben soll, was einem jemand erzählt :-) An dieser Stelle möchte ich auch auf ein sehr interessantes Interview mit Nils Binnberg hinweisen.

Mein Fazit:

Ich habe es satt! ist ein interessantes Buch über diverse Diäten und einer noch nicht so wirklich anerkannten Krankheit. Mit viel Selbstironie führt der Autor mir vor Augen, dass ich selber viel zu oft auf Ernährungsgurus auf den Leim gehe. Ich gelobe aber Besserung :-)

Buchinfos

  • Titel: Ich habe es satt!
  • Autoren: Nils Binnberg
  • Verlag: Suhrkamp Verlag
  • Genre: Sachbuch
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • ISBN: 978-3-518-46938-5
  • Form: TB, 173 Seiten
  • Preis: 12,95 €  

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2 comments on “[Rezension] Ich habe es satt!

  1. MaiLab hat in einem Video über Zuckerersatzstoffe etwas Wichtiges gesagt: Damit das Ursache-Wirkungs-Prinzip bewiesen werden kann, müsste man eine größere Studie machen – aber das wäre unethisch und schwer durchführbar, denn wie will man einer repräsentativen Gruppe von Menschen über einen langen Zeitraum sagen, was sie essen sollen?

    Ich denke, man sollte sich immer wieder bewusst machen, woher die Meinungen kommen. Und in meinem Umfeld merke ich, dass jeder anderes mag und jeder Körper anderes verträgt.

  2. Ich geh mal davon aus, dass die entsprechenden Lobbygruppen mit unethisch nicht wirklich ein Problem haben.
    Aber ich finde auch, man sollte einfach darauf hören, was der eigene Körper mag und verträgt und all die ich-mach-dich schön und nur-size-zero-macht-glücklich außen vor lassen.
    Als Erwachsenem sollte einem das ganz gut gelingen – bei Teenagern die mit all den geschönten Instagram-Bildern aufwachsen sieht das vermultich leider anders aus.

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