Provenzalischer Stolz

[Rezension] Provenzalischer Stolz

Provenzalischer Stolz von Sophie Bonnet ist das siebte Abenteuer  von Pierre Durand, dem Chef de police im fiktiven Ort Sainte-Valérie. Ich mag diese Reihe schon allein wegen der Landschaftsbeschreibungen, denn sie versetzen mich gedanklich genau dorthin – etwas, was ich im Moment sehr zu schätzen weiß. Dazu kommt immer die Fülle an Informationen über die jeweilige Region, das jeweilige Problem oder die dazugehörigen Mythen und Legenden.

Provenzalischer Stolz

Sophie Bonnet

Pierre Durand hadert – mich sich selbst, mit seinem Chef, mit seiner Lebensgefährtin. kurzum er befindet sich in einer Sinnkrise und weiß nicht so genau, wie es weitergehen soll. Ein Freund leiht ihm sein Hausboot und Pierre hofft, dass er wieder zu sich selbst findet, wenn er durch das Rhônedelta schippert. Aber in der Camargue bittet ihn der Präfekt um Hilfe, es geht um einen Mord an einem verdeckten Ermittler, der bei den “gens du voyage” eingeschleust worden war. Bald bemerkt Pierre, dass er einen blinden Passagier an Bord hat, der ein Zeuge des Verbrechens gewesen sein könnte  – aber er behauptet, sein Gedächtnis verloren zu haben. Am Ende vertraut Pierre auf seine Intuition …

Es hieß, dass man am Übergang zur jenseitigen Welt diejenigen Bilder an sich vorüberziehen ließ, die einen am meisten bewegten. Provenzalischer Stolz, S. 5

Mein Eindruck:

Bildgewaltig, spannend und interessant

Letzte Momente

Wie beinahe üblich in den Krimis um Pierre Durand beginnt die Geschichte mit den letzten Augenblicke im Leben  des Opfers. Ich finde das immer sehr stimmig und es lässt mich gleich von Anfang an in die Geschichte eintauchen. Auch sonst ist das Grundkonzept oder das Grundgerüst wie in allen Bänden zuvor – was für mich jetzt aber kein Nachteil ist. Ich mag die Art, wie Sophie Bonnet ihre Geschichten erzählt und bin da ganz glücklich mit.

Privatleben

Pierres private Probleme sind zwar auch wieder ein Thema, sowohl seine momentane Suspendierung, als auch seine dauernden Streitereien mit Charlotte, seiner Lebensgefährtin, aber sie dienen mehr als Aufhänger seine Reise in die Camarque. Auch darüber bin recht froh, denn ich bin nun mal kein Fan von allzu viel Privatleben in einem Krimi – hier ist da für mich bisher immer gut dosiert gewesen.

Grandiose Landschaft

Was mir ebenfalls jedes Mal gut gefällt, sind die Landschaftsbeschreibungen, die mich immer wieder aufs neue begeistern. Ich kann mit alles wunderbar vorstellen und in diesem Falle beinahe die drückende Hitze spüren, die auf der Camargue in diesen Sommertagen lastet. Dazu gibt es sehr anschauliche Schilderungen dessen, was dort so auf den Tisch kommt und auch hier läuft mir beim Lesen das Wasser im Mund zusammen. Freundlicherweise gibt es am Ende des Buches auch die passende Rezepte und ein Glossar mit diversen französischen Begriffen.

Kultur und Gepflogenheiten

Auch die Kultur, die Sitten und Gebräuche, alte Mythen und Sagen – aber auch alte Vorurteile finden ihren Platz in diesem Krimi. Ging es in den anderen Bänden meist mehr um alte Traditionen und Handwerk der alteingesessenen Bevölkerung ist dieses Mal das Leben und die Traditionen der “gitanes”, der Zigeuner, im Fokus der Geschichte. Wie auch hier bei uns halten sich auch in Frankreich viele Vorurteile gegenüber dem “fahrenden Volk” sehr hartnäckig.

Wenig Krimihandlung

Aus diesen Vorurteilen aber auch aus dem Aberglauben in beiden “Lagern”, speist sich letztlich das Motiv für den Mord, der hier Grundlage des Kriminalfalles ist. Ich denke der Krimiteil der Geschichte kommt allgemein ein bisschen zu kurz, angesichts all der anderen Komponenten dieses Buches – trotzdem ist er spannend und recht verwirrend. Ich mochte aber auch diesen Band, genauso wie die Bände davor und freue mich schon auf meinen nächsten Ausflug mit Pierre Durand durch die Provence-

Mein Fazit:

Provenzalischer Stolz von Sophie Bonnet ist ein weiterer Urlaubskrimi mit stimmigen Landschaftsbeschreibungen, kulinarischen Finessen, etwas Kultur und Geschichte und einem Mann der seine Midlife-Crisis bekämpft :-) Mir hat die gut gefallen und ich konnte zumindest gedanklich ein bisschen verreisen.

Buchinfos

  • Titel: Provenzalischer Rosenkrieg
  • Autor: Sophie Bonnet
  • Verlag: Blanvalet
  • Genre: Krimi
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • ISBN: 978-3-7645-0721-3
  • Form: Paperback,  ca. 368 Seiten
  • Preis: 15,00 €

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