Echo des Schweigens

[Rezension] Echo des Schweigens

Echo des Schweigens von Markus Thiele wurde mir von der Agentur Literaturtest als Rezensionsexemplar angeboten und ich habe nach kurzer Überlegung zugesagt. Ich mochte die kurze Inhaltsbeschreibung des Buches und vor allem mochte ich das sehr aktuelle Thema des Buches. Das heisst aber nicht, dass ich mich fortan nur noch mit politisch wichtigen, brisanten Büchern beschäftigen möchte  – also bitte nicht dauernd deswegen anfragen :-) Mein Hauptaugenmerk und Lieblingslektüre bleiben Krimis und Thriller mit viel Spannung und reichlich Blut- gerne auch gänzlich ohne politische Botschaft :-)

Echo des Schweigens

Markus Thiele

Landgerichts Magdeburg, Schwurgerichtssaal:   Während seines Schlussplädoyers erhält der Strafverteidiger Hannes Jansen plötzlich den Beweis für die Schuld seines Mandanten, doch ist ihm als Strafverteidiger der „Parteiverrat“ gesetzlich untersagt. Er ist nicht der Wahrheit, sondern seinem Mandanten verpflichtet. Sein Mandant wird dann auch tatsächlich freigesprochen, aber dank einer Ausnahmeregelung wird dann das Verfahren dennoch wieder aufgenommen obwohl Artikel 103 des Grundgesetzes besagt, das  dieselbe Tat nicht zweimal angeklagt werden darf.

Der Rechtsanwalt ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Diese Pflicht bezieht sich auf alles, was ihm in Ausübung seines Berufes bekannt geworden ist. Die Vorschrift aus dem Berufsrecht für Anwälte hing als Leitmotiv in der Kanzlei, Jansen kam jeden Morgen daran vorbei. Echo des Schweigens, S.9

Mein Eindruck:

Recht, Gerechtigkeit oder Moral?

Tod eines Senegalesen

Echo des Schweigens ist an den Fall  Oury Jalloh angelehnt – der Mann aus Sierra Leone verbrannte in einer Gefängniszelle in Dessau. Hier ist das Opfer ein Senegalese namens Abba Okeke, dem das gleiche widerfahren ist. Hannes Jansen ist der Strafverteidiger des Polizisten, unter dessen Aufsicht bzw. in dessen Obhut sich Abba Okeke befand, als er verbrannte. Jensen weiß, dass der Polizist nicht unschuldig ist – was er aber außer acht lassen muss.

Neue Ergebnisse der Rechtsmedizin

Die Gewissheit, dass der Polizist nicht unschuldig ist, wird durch neue Ergebnisse der Rechtsmedizin gestützt. Diese neuen Erkenntnisse sorgen dafür, dass der Fall trotz Freispruch neu verhandelt wird. Während die Verhandlung gegen den angeklagten Polizisten weiter geht bzw. neu vorbereitet wird, führt der zweite Handlungsstrang mich immer weiter zurück in die Geschichte. Die zuständige Rechtsmedizinerin, Dr. Sophie Tauber, ist auf der Suche nach ihrem Vater und stößt dabei auch auf die dunkle Seite ihrer Familiengeschichte die bis in die NS-Zeit reicht.

Chronologischer Aufbau

Chronologisch werden die Handlungsstränge weitestgehend abwechselnd erzählt – also der Fortgang des Verfahrens, die Liebesgeschichte zwischen Anwalt und Rechtsmedizinerin und auch Sophies Recherchen, die ergeben, dass ihre Großmutter in Auschwitz ermordet wurde. Auch hier geht es um Verrat, einen Rechtsanwalt und die Frage nach Moral, Recht und Schuld. Was all ihre Rechercheergebnisse mit dem hier und jetzt zu tun haben und wie die alles endet?  Ich spoiler doch nicht …

Komplizierte Geschichte

Die Geschichte ist ein ziemlich kompliziert und ich brauchte ein bisschen Zeit und Ruhe um ihr folgen zu können. Sie wirft auf jeden Fall fragen auf, die sich auf ganz unbequeme Weise mit Moral, Recht und Gerechtigkeit befassen. Wobei Moral und Gerechtigkeit ja durchaus Auslegungssache sind, denn dazu gibt es immer verschiedene Meinungen. Anders das Recht – in einem Rechtsstaat gibt es Gesetze, an die sich jeder halten muss.

Recht, Gerechtigkeit und alles dazwischen

Wer sich aber einen möglichst hoch qualifizierten und dadurch reichlich teuren Anwalt leisten kann, hat, trotz oder wegen dem Rechtsstaat, immer noch die besseren Aussichten einen Rechtsstreit oder ein Verfahren zu gewinnen – das ist weder fair noch gerecht – aber so ist halt das Recht. Ich für meinen Teil bin froh darüber kein Anwalt zu sein, denn ich könnte es nicht ertragen, jemanden wider besseres Wissen zu verteidigen – auch wenn es dem geltenden Recht entspricht.

Schwierige Rezension

Es fiel mir schwer, eine Rezension zu schreiben, ohne allzu viel von der Handlung zu verraten – was mir hoffentlich gelungen ist. Ich fand das Buch zweifellos sehr interessant und lesenswert, trotzdem werde ich da, wo danach gefragt wird keine fünf Sterne vergeben. Zum einen fand ich einige Sachen doch zu konstruiert zum anderen stolperte ich ständig über die Namen der Protagonisten – bei “Sophie und Hannes” dachte ich in dem ganzen Zusammenhang ständig an die Geschwister Scholl und das fand ich einfach unpassend.

Mein Fazit:

Echo des Schweigens von Markus Thiele ist ein schwieriges Buch mit einem sehr ernsten Hintergrund und einem interessanten Ansatz. Trotzdem ist es Michael Thiele gelungen es relativ leicht lesbar zu schreiben, mich sehr spannend zu unterhalten und meine Gedanken weit über das Schließen der Buchdeckel hinaus zu beschäftigen. Dafür gibt es eine ganz klare Leseempfehlung von mir.

Buchinfos

  • Titel: Echo des Schweigens
  • Autor: Markus Thiele
  • Verlag: Benevento Verlag
  • Genre: Roman
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • ISBN: 978-3-7109-0091-4
  • Form: HC, 408 Seiten
  • Preis: 22,00 € 

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