Wolfshunger

[Rezension] Wolfshunger

Wolfshunger von Philip Kerr ist der neunte Band seiner Reihe um Bernie Gunther, den Tausendsassa und Überlebenskünstler. Für mich ist das der erste Band dieses Autors überhaupt und wie immer teste ich erst mal einen Band mitten in der Reihe um herauszufinden, ob mir eben diese Art Geschichten zu erzählen gefällt. Aber da mir Philip Kerr wärmstens empfohlen wurde, gehe ich mal davon aus. Leider verstarb der Autor im März des letzten Jahres – aber er hinterlässt für seine Leser schon ein recht umfangreiches Werk.

Wolfshunger

Philip Kerr

Zu Beginn des Jahres 1943 sieht es für Deutschland, das sich unter der Herrschaft der Nazis als ein Land der Kriegstreiber und Judenmörder offenbart hat, gar nicht gut aus. Die Schlacht um Stalingrad ist verloren, eine nicht mehr zählbare Menge an Soldaten ist gestorben und die Anfänglichen Erfolge sind schon beinahe vergessen. Die Mehrheit der Bevölkerung hat längst genug von der Not, dem Elend und vor allem von den Bombenangriffen der Alliierten – da hilft auf ein Joseph Goebbels und die Frage nach dem totalen Krieg nicht weiter. Da kommt die Nachricht über gefundene Massengräber der Sowjets gerade recht um die Propagandamaschine mal wieder in Gang zu bringen.

Ich glaube, das war das Letzte, was ich sagte, und vermutlich verdanke ich dem Umstand mein Leben, dass ich im Türrahmen stand. Denn in diesem Augenblick schien das Fensterglas zu tausend Tropfen aus Licht zu zerschmelzen. Wolfshunger, S. 16

Mein Eindruck:

Der Krieg hat viele Gesichter

Wahre Hintergründe

In diesem neunten Buch um Bernie Gunther geht um eine reichlich bizarre Geschichte aus der Nazizeit – trotzdem entspricht sie weitestgehend der Wahrheit. Natürlich gab es keinen Bernie Gunther, aber diese Massengräber um die es hier geht, die gab es tatsächlich. Das Naziregime hat die hier beschriebene Untersuchung tatsächlich angeordnet – vermutlich sogar genau aus den hier beschriebenen Gründen.

Hitler und Stalin

Nachdem Stalin im August 1939 noch bereitwillig einen Nichtangriffspakt mit Hitler geschlossen hatte, brach Hitler 1940 den Vertrag schon wieder und begann mit der Eroberung der Sowjetunion. Die Ende 1942 entdeckten Massengräber von Katyn boten eine willkommene Chance den Propagandaspieß noch einmal umzudrehen – dafür müssten nur noch ein paar Beweise verschwinden, denn auch die Deutschen hatten dort in Katyn ihre Opfer verscharrt.

Bernie Gunthers Auftrag

Genau diesen Auftrag erhält Bernie Gunther, der vom Regime immer gerne als “Ausputzer” beschäftigt wird. Aber mit der Regimetreue hat er nach eigenen Kriegserfahrungen und persönlichen Verlusten längst abgeschlossen. Trotzdem will er natürlich überleben und macht sich auf den Weg nach Katyn, hier sieht er auch seine Chance, mal wieder ein Runde Kritik am Regime üben zu können.

Gutsherren, Kriegsherren und Serienkiller

Generalfeldmarschall von Kluge spielt dann vor Ort auch viel lieber den jovialen Gutsherren, der statt Juden doch viel lieber Hirsche jagt und dabei möglichst nicht von irgendwelchen Untersuchungen gestört werden möchte. Allerdings kann und will Gunther ihm diesen Gefallen nicht tun – zumal auch noch eine Serienmörder in der Gegend unterwegs ist, der seinerseits Naziverberecher jagt.

Gekonnte Mixtur

Die Mischung aus historischer Kriegserzählung und Thriller ist Philip Kerr auf jeden Fall sehr gut gelungen. Die “Kriegsberichterstattung” wird von geschichtlich bekannten Details geprägt. Für den Thrillerpart gibt es dann zahlreiche Verdächtige, die Ermittlungen sind gefährlich und Bernie Gunther sieht zwischendurch immer mal wieder dem Tod ins Auge. Gerade bei den Ermittlungen spielt der Zufall oft eine sehr große Rolle, aber das stört mich in diesem Falle eher weniger.

Geschichtsunterricht mal spannend

Für mich bedeutet Wolfshunger das ich mich tatsächlich ganz freiwillig mal wieder mit unserer jüngeren Geschichte befasse und mich dabei auch noch ganz glänzend unterhalten fühle. Die Geschichte um den Serienmörder ist spannend, für mich aber längst nicht so spannend, wie der ganze Rest. Ich werde auf jeden Fall auch noch die anderen Bände aus der Bernie-Gunther-Reihe lesen :-)

Mein Fazit:

Wolfshunger ist der neunte Band um Bernie Gunther und hat mich wirklich gleichermaßen informiert wie unterhalten. Ganz ohne moralisch erhobenen Zeigefinger hat Philip Kerr mir das Grauen der Nazi-Diktatur vorgeführt und mich nebenbei nach einem Serienmörder in kleinerem Ausmaß suchen lassen. Hierfür gibt es aus vollem Herzen eine Leseempfehlung!

Buchinfos

  • Titel: Wolfshunger
  • Originaltitel: A man without breath
  • Autor/in: Philip Kerr
  • Übersetzer/in: Juliane Pahnke
  • Verlag: Rowohlt Verlag
  • Genre: Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • ISBN: 978-3-499-26785-7
  • Form: TB,  544 Seiten
  • Preis: 10,99 €

Bernie Gunther Reihe

  • Feuer in Berlin
  • Im Sog der dunklen Mächte
  • Alte Freunde – neue Feinde
  • Das Janusprojekt
  • Das letzte Experiment
  • Die Adlon Verschwörung
  • Mission Walhalla
  • Böhmisches Blut
  • Wolfshunger
  • Operation Zagreb
  • Kalter Frieden
  • Berliner Blau
  • Trojanische Pferde
  • Metropolis (2019, noch nicht übersetzt)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.