hist. Krimis/Thriller/Romane
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[Rezension] Das Haus in der Half Moon Street

Das Haus in der Half Moon Street

Das Haus in der Half Moon Street von Alex Reeve hat den Weg in mein Bücherregal rein über die Optik gefunden. Ich war ganz angetan von der nostalgischen Optik und habe erst gar nicht auf den Inhalt geachtet. Eigentlich finde ich das ziemlich blod und eigentlich mache ich das auch gar nicht und eigentlich habe ich so mal wieder ganz unerwartet ein tolles Buch entdeckt. Aber ich liebe es, wenn ich so ganz unerwartet ein tolles Buch finde und hoffe, dass mir das noch öfter passiert.

Das Haus in der Half Moon Street

Leo Stanhope 1

Alex Reeve

London 1880. Leo Stanhope ist  Assistent der Gerichtsmedizin und macht bei seinem Dienst eine merkwürdige Entdeckung. In der Jackentasche eines angeblich in der Themse ertrunkenen Mannes findet er eine Ale-Flasche, in deren Etikett das Wort »Mercy« eingeritzt ist. Schon kurz darauf gibt es eine zweite Leiche aus der Themse und dieses Mal ist es jemand, den Leo gut kennt – Maria, seine große Liebe. Schnell steht fest, dass Maria ermordet wurde, aber da sie als Prostituierte arbeitete ist das Interesse an der Aufklärung des Falles gering. Als Leo selber unter verdacht gerät und noch dazu sein lange gehütetes Geheimnis ans Licht zu koommen droht, ermittelt er auf eigene Faust.

Es war ein hundekalter Januartag, und es gab nirgendwo etwas Weiches, an dem ich mich hätte wärmen können. Der Untersuchungsraum lag in den Katakomben des Krankenhauses und war ringsum mit Fliesen verkleidet. Tageslicht kam nur durch die weit oben angebrachten Milchglasfenster herein, die auf gleicher Höhe lagen wie das Straßenpflaster draußen. Das Haus in der Half Moon Street, S. 7

Mein Eindruck:

Anders, spannend, lesenswert

Assistent

Leo Stanhope ist Assistent der Gerichtsmedizin im viktorianischen London und er hat ein Geheimnis – denn Leo ist nicht einfach Leo. Geboren wurde er als Charlotte Pritchard, er hat zwei Geschwister und sein Vater ist ein sehr strenger und auch engstirniger Reverend namens Ivor Pritchard. Mit fünfzehn verlässt er sein Zuhause und entfremdet sich ab immer weiter von seiner Familie. Lediglich zu seiner Schwester Jane hält er einen losen Kontakt, aber glücklich ist diese darüber nicht.

Geheimnis

Da Leo durch sein Geheimnis sehr einsam ist, ist häufig in einem Bordell in der Half Moon Street zu Gast und verliebt sich dort in Maria Milanes, eine der Prostituierten. Als Marias Leichnam eines Tages in der Gerichtsmedizin landet ist Leo entsetzt, schockiert und traurig. Er schwört ihren Tod aufzuklären ohne zu wissen, wohin in seine Ermittlungen führen werden und ohne sich bewusst zu sein, in welche Gefahr er sich bringt.

Entdeckungen

Leo entdeckt dabei sehr viele Dinge über Maria, die er bis dahin noch nicht mal geahnt hat und lernt dabei sehr unterschiedliche Menschen und deren Schicksale kennen. Hebamme und Abtreibungsärztin Madame Moreau lernt er vieles über den verdeckten Menschnehandel, der damals wie heute viel Elend, Gewalt und Grauen produziert. In Rosie Flowers, eine recht außergewöhnliche Tortenbäckerin und Schwester des ertrunkenen Mannes am Beginn des Buches, findet er eine neue Freundin. Trotzdem bleibt er bemüht, sein Transgender-Sein erst mal zu verbergen,

Vielfalt

Leo ist ein faszinierender und warmherziger  Charakter, der in einer unaufgeklärten Zeit ständig bemüht ist sein wahres Ich zu verbergen. Nur sehr wenige Menschen kennen sein Geheimnis, denn es ist gefährlich für Leo, wenn er enttarnt wird. Aber es hat mich auf jeden Fall sehr überrascht, wieviel geschlechtliche und sexuelle Vielfalt es in dieser Zeit gegeben hat – obwohl man es dann aber immer noch geheim halten musste, um zu überleben. Aber im Grunde hat sich daran ja bis heute kaum etwas geändert und ich mag an dieser Geschichte vor allem, dass nur selten mit dem erhobenen Zeigefinger gearbeitet wird.

Trigger

Als Leser sollte man sich auf einige Beschreibungen von Missbrauch und Vergewaltigungen gefasst machen, die mich zumindest schon sehr entsetzt haben und für zarte Nerven vielleicht nichts sind.  Als Ausgleich gibt es dann aber dafür die Stellen,  in denen es um die wachsende Beziehung zwischen Rosie und Leo ging. Einfühlsam, herzerwärmend – aber nicht kitschig. Ich fand beide sehr willensstark, irgendwie unbeugsam und trotzdem warmherzig und mitfühlend. Ich kann mir gut vorstellen, dass das eine wirklich gute, unterhaltsame Serie wird.

Mein Fazit:

Das Haus in der Half Moon Street von Alex Reeve hat mich eher zufällig gefunden und ich bin wirklich ganz begeistert von der Thematik und der Umsetzung. Jetzt freue ich mich auf jeden Fall auf das zweite Buch mit Leo

Buchinfos
  • Titel: Das Haus in der Half Moon Street 
  • Originaltitel: ‎The House on Half Moon Street
  • Autor: Alex Reeve
  • Übersetzer/in: Christine Gaspard
  • Verlag und Bestellung: Droemer Knaur Verlag
  • Genre: Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • ISBN: 978-3-426-52639-2
  • Form: TB, 416 Seiten
  • Preis: 12,99 €
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Reiheninfos
  • Das Haus in der Half Moon Street
  • Der Mord in der Rose Street

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