Krimi/Thriller
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[Rezension] Dein kaltes Herz

Dein kaltes Herz

Dein kaltes Herz von Sharon Bolton nimmt mich an einen weit entfernten, sehr unwirtlichen und richtig kalten Ort mit. Die Reise geht nach Südgeorgien – eine kleine, meist von Eis bedeckte Insel im Südatlantik.  Aber die Protagonistin dieses Buches ist Glaziologin und Eis, Schnee und Gletscher sind ihr Beruf und deshalb passt Südgeorgien als Handlungsort wirklich gut. Ich kenne Sharon Bolton schon von anderen Büchern und war schon ganz gespannt auf dieses Buch.

Dein kaltes Herz

Sharon Bolton

Felicity Lloyd ist Glaziologin und arbeitet mit einem kleinen Team von Wissenschaftlern auf der abgelegenen Insel Südgeorgien. Aber ihre Arbeit war nicht der Hauptgrund für Felicity auf diese abgelegene, kalte Insel zu fliehen, sondern ihre Angst vor ihrem Ex-Mann Freddie. Der hat seine Gefängnisstrafe wegen Mordes abgesessen und sie fürchtet, dass er wieder einen Platz in ihrem Leben beanspruchen wird. Mit dem letzten Touristenboot des Sommers wird ihr Alptraum schließlich wahr, denn Freddie ist Fahrgast auf diesem Boot.

Es ist kein Schiff. Es ist ein Eisberg. Oh, dem Himmel sei Dank. Sie lässt ihr Fernglas sinken und spürt ein Pochen in der Brust. Das könnte ihr Herz sein, das gerade wieder zu schlagen beginnt. Auf der Insel ist das Rauchen verboten, aber sie holt trotzdem ihre Zigaretten hervor. Dein kaltes Herz, S. 9

Mein Eindruck:

Ein bisschen sehr unübersichtlich

Interessante Beruf

Die 28-jährige Felicity Lloyd ist Glaziologin und arbeitet für die British Antarctic Survey. Als sich ihr die Möglichkeit bietet auf der Insel Südgeorgien zu forschen ist sie begeistert. Die Möglichkeiten die sie hier hat sind unbezahlbar. Aber das ist nicht der einzige Grund für sie ans Ende der Welt zu ziehen – sie will möglichst viel Abstand zwischen sich und Freddie, einem Typen aus ihrer Vergangenheit, der sie immer noch in Angst und Schrecken versetzt, bringen.

Tolles Setting

Noch vor der eigentlichen Geschichte und den Zusammenhängen in diesem Fall hat mich aber das Setting des Buches begeistert. Die Beschreibungen der kargen, kalten und rauen Umgebung haben mich von Anfang an fasziniert. Ich konnte mir das Wetter, das Eis und die heulenden Stürme wirklich gut vorstellen. Die verlassenen vor sich hin rostenden Walfangstationen mit den riesigen Knochen rundeten für mich die sehr atmosphärische und eindrucksvolle Umgebung ab.

Verwirrende Vergangenheit

Als Freddie dann, wie in einem Brief bereits angedroht, auf der kleinen Insel auftaucht geht meine Reise als Leser erst einmal neun Monate zurück nach Cambridge. Felicity wurde hier blutüberströmt und verletzt aufgefunden, kann sich aber nicht erinnern, was passiert ist. Das alles ist ein bisschen verwirrend und unübersichtlich geschildert und ich finde in diesem Teil der Geschichte keinen roten Faden der mich durch dieses Labyrinth aus Ereignissen führt. Felicity leidet unter ihren Gedächtnislücken – und ich leide gewissermaßen mit ihr an einem Mangel an Informationen.

Merkwürdiger Therapeut

Ihr Therapeut, Dr. Joe Grant, hat selber auch erhebliche Probleme nachdem er von einem Patienten bösartig angegriffen wurde. Er beschäftigt sich immer noch mit den Nachwirkungen und dem Trauma, das durch den Angriff verursacht wurde. Ich denke er sollte niemanden behandeln, sondern eher selbst behandelt werden. Im Buch behandelt er kostenlos Obdachlose, aber eine schlechte psychotherapeutische Behandlung wird nicht besser, nur weil sie kostenlos ist.

Perfider Stalker?

Die ganze Zeit gibt es gleichzeitig aber jemanden, der den obdachlosen Teil der Bevölkerung in Cambridge terrorisiert und am Ende tatsächlich auch ermordet. Auch Felicity wird anscheinend terrorisiert, denn jemand bricht in ihr Haus ein, bewegt Gegenstände um sie herum und sie wird immer panischer. Ich finde vor allem, es wird immer undurchsichtiger und verwirrender und gelegentlich habe ich mit dem Gedanken gespielt das Buch einfach zuzuklappen und im öffentlichen Bücherschrank zur Adoption freizugeben.

Dramatisches Ende

Als die Handlung sich dann wieder in die Gegenwart und Südgeorgien verlagert wird es wieder spannender, aber ehrlich gesagt reichte mir das nicht, um mich mit der Geschichte zu versöhnen. Ja, im letzten Teil wird es wieder spannend, beinahe dramatisch, aber ich hatte irgendwie mittlerweile das Interesse an den Charakteren verloren und es war mir ziemlich egal, was aus ihnen wird. Schade drum, aber dieses Buch und ich wurden keine Freunde mehr.

Mein Fazit:

Dein kaltes Herz von Sharon Bolton hat mich zu Beginn wirklich beeindruckt, aber dann ließ meiner Meinung nach die Spannung immer weiter nach und am Ende war ich eigentlich nur noch froh, dass es vorbei war. Schade, denn eigentlich mag ich die Bücher von Sharon Bolton.

Buchinfos
  • Titel: Dein kaltes Herz
  • Originaltitel: The Split
  • Autor: Sharon Bolton
  • Übersetzer/in: Marie-Luise Bezzenberger
  • Verlag: Goldmann  Verlag
  • Genre: Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • ISBN: 978-3-442-49056-1
  • Form: TB, 480 Seiten
  • Preis: 10,00 € 

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