Krimi/Thriller
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[Rezension] Der kalte Glanz der Newa

Der kalte Glanz der Newa

Der kalte Glanz der Newa von Ben Creed ist der erste Band einer Trilogie und ist in Leningrad im Jahr 1951 angesiedelt. Mich hat nicht nur Leningrad als Setting interessiert, sondern auch die Tatsache, dass das Buch besser als seinerzeit Gorki Park sein soll. Da ich das 1982 erschienene Buch damals auch gelesen habe und wirklich begeistert davon war, gehe ich schon mal mit einer gewissen Erwartungshaltung an diese Trilogie heran.

Der kalte Glanz der Newa

Leningrad-Trilogie 1

Ben Creed

Leutnant Revol Rossel, ehemals vielversprechender Geiger am Leningrader Staatlichen Konservatorium, ist seit Kriegsende bei der örtlichen Polizei und versucht sich dort einzufügen. Als fünf gefrorene Leichen wie auf Notenlinien aufgereiht auf Bahngleisen gefunden werden, wird er gerufen, um bei der Aufklärung des Verbrechens zu helfen. Rossel und seine Leute sind geschockt, aber auch irritiert. Könnte Stalins gefürchtetes Ministerium für Staatssicherheit dahinterstecken? Einer der Toten ist für Rossel kein Unbekannter, denn der war Mitglied der Geheimpolizei und hat ihm nicht nur willkürlich die Chance genommen jemals wieder seinen Beruf als Geiger auszuüben.

Gerade wie ein Baugerüst lagen sie da, starr im grellen Licht der Zugscheinwerfer. Ein Quintett von Körpern auf den zugeschneiten Gleisen, akkurat und parallel zueinander. Die Füße zusammen, die Arme ausgestreckt, die Köpfe sacht alle in dieselbe Richtung gewandt. Der kalte Glanz der Newa, S. 9

Mein Eindruck:

Spannend und brutal

Notenlinien

Revol Rossel hat nach Kriegsende bei der Polizei begonnen, denn er hatte Ärger mit der Geheimpolizei und konnte seine Karriere als Geiger nicht fortführen. Als nun an einem kalten Morgen zu einem Mordfall gerufen wird, ist er mehr als irritiert. Wie Noten liegen die fünf Opfer brav aufgereiht auf den Bahngleisen und ein Opfer ist ihm nicht unbekannt. Es war nicht nur Teil der Geheimpolizei, sonder genau der Beamte, der ihm eine Rückkehr in seinen eigentlichen Beruf verbaut hat.

Druck

Genau diese Geheimpolizei macht Revol Rossel und seinen Kollegen mit der Androhung von Gewalt nun Druck den Fall zu lösen. Dieser Druck unter dem Rossel und die anderen stehen wird mit jeder Seite deutlicher und greifbarer und verdeutlicht die Atmosphäre, die seinerzeit in Russland herrschte. Jeder in Russland hatte Angst vor jedem und gemeinsam fürchtete man die Geheimpolizei, die mit äußerster Brutalität gegen jeden vorging, der ihnen nicht passte.

Protagonist

Der Protagonist Leutnant Revol Rossell ist ein Charakter mit sehr vielen Narben – sichtbaren und unsichtbaren. Er hat eine dunkle und schockierende Vergangenheit. Er hat seine Eltern in den Gulag gehen sehen, er sah seine Schwester auf nimmerwiedersehen verschwinden, seine Karriere als Geiger wurde zerstört und er wurde von der Geheimpolizei aufs übelste und brutalste gefoltert. Einige Beschreibungen der Folterungen waren sehr schwer zu lesen, aber sie führten die grausame Vergangenheit des stalinistischen Russlands wirklich vor Augen.

Nikitin

Trotz all dem, was ihm widerfahren ist versucht Rossel die Morde aufzuklären, was ihn auch in die Welt der Musik zurückführt, die früher mal so gut kannte. Sowohl Rossel als auch seine Kollegen ermitteln mit einem unguten Gefühl, da ja eines der Opfer Mitglied der Geheimpolizei war und es vergeht auch kaum Zeit, bis die MGP sich einklinkt. Schon bald steht Rossel dem Mann gegenüber, der ihn gequält und gefoltert hat – Major Nikitin. Nikitin wird als monströser Charakter dargestellt und ich halte das auch für sehr gerechtfertigt, auch wenn gelegentlich so ein Anflug von Menschlichkeit bei ihm durchblitzt.

Spannend und schnell

Von der Handlung an sich kann ich hier gar nicht so viel verraten, aber ich finde sie gut durchdacht und sehr intelligent konstruiert. Die vielen Wendungen, die vielen historischen Details und die sehr einprägsame Charaktere haben mich sehr schnell eingefangen und ins winterkalte Leningrad entführt. Ich mochte die düstere, bedrohliche und oft schockierende Atmosphäre – ich wusste ja, dass ich ihr jederzeit entfliehen konnte, im Gegensatz zu all den Menschen, die dieser Willkür tatsächlich ausgesetzt waren.

Mein Fazit:

Der kalte Glanz der Newa von Ben Creed ist spannend, düster, bedrückend und lässt dank schneller Szenenwechsel kaum Zeit Luft zu holen. Ich finde die Geschichte wirklich empfehlenswert und bin gespannt, wohin sich das alles entwickelt.

Buchinfos
  • Titel: Der kalte Glanz der Newa
  • Originaltitel: City of Ghosts
  • Autor: Ben Creed
  • Übersetzer/in: Peter Hammans
  • Verlag: Droemer Knaur Verlag
  • Genre: Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • ISBN: 978-3-426-52662-0
  • Form: TB, 432  Seiten
  • Preis: 14,99 €
Reiheninfos
  • Der kalte Glanz der Newa 

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