Der rote Apfel

[Rezension] Der rote Apfel

Der rote Apfel von Mi-Ae-Seo ist, wenn ich es mal genau betrachte, mein erstes Buch aus dem asiatischen Raum. Ich habe zwar schon Bücher gelesen, die z.B. in Tokio handelten – geschrieben waren sie allerdings von weitestgehend “ortsfremden” Autoren.  Dazu kommt, dass Korea mir mehr oder minder fremd ist – mal abgesehen von diversen Fernsehreportagen. Das alles hat mich dann extrem neugierig gemacht :-)

Der rote Apfel

Mi-Ae-Seo 

Lee Byongdo, der Serienmörder mit dem zarten Gesicht, hielt Seoul monatelang in Atem – nun ist er endlich gefasst sitzt ein. Er wartet darauf, dass seine Todesstrafe vollstreckt wird und redet mit niemandem ein Wort. Doch dann verlangt er plötzlich nach der jungen Kriminalpsychologin Sonkyong, mit ihr will er reden. Die Gespräche der beiden führen die noch junge Psychologin in die tiefsten Abgründe von Lees Seele und nahe an den Rand des Wahnsinns.

Meine Erinnerungen sind entsetzlich, daher habe ich sie in einen Raum gesperrt und mit Dutzenden von Schlössern versehen. Es gab eine kurze Phase, in der ich gänzlich vergessen hatte, dass es die Kammer gab. Aber sie dauerte nicht lange. Denn eines Tages sprangen die Schlösser plötzlich alle gleichzeitig auf. Der rote Apfel, S. 5

Mein Eindruck:

Auch blumig benannt bleibt ein Mord ein Mord

Im Wandel

In Sonkyong jungem Leben wird gerade alles kräftig durcheinander gewirbelt. Ihr Mann muss nach einem katastrophalen Unfall seine 10jährige Tochter Hayong zu sich nehmen und Sonkyong muss sich mit der Rolle der Stiefmutter erst anfreunden. Aber sie gewöhnt sich schnell daran, auch wenn sie findet, Hayong benimmt sich nicht so, wie andere Mädchen in ihrem Alter.

Vertraute

Das der Serienmörder Lee Byongdo sie als seine einzige Gesprächspartnerin, seine einzige Vertraute, auserkoren hat, macht Sonkyong ebenfalls zu schaffen. Offenbar hat sie aber auch niemanden, mit dem sie sich darüber austauschen könnte. Natürlich drängen sich hier die Bilder aus Das Schweigen der Lämmer auf – dort war die ja FBI-Studentin Clarice Starling plötzlich in der Rolle  der  Vertrauten eines Serienmörders.

Hannibal Lecter

Aber genau damit spielt Der rote Apfel auch immer wieder ganz offen und ich finde, das das sehr geschickt gemacht. In beiden Büchern geht es im Grunde um Kindheitstraumata und wie sie das Leben auch viel später noch beeinflussen können. Während Sonkyong Byongdos Erzählungen zuhört, entdeckt sie immer mehr Parallelen zwischen ihm und ihrer Stieftochter Hayong.

Furcht

Irgendwann beginnt sie sich wirklich vor Hayong zu fürchten. Dieser Verlauf ist wirklich sehr spannend und mitreißend erzählt und ich fürchte mich beinahe auch schon vor dem kleinen Mädchen. Kamen ihre Großeltern wirklich durch einen Unfall ums Leben? Warum zieht sich der Vater immer weiter zurück und überlässt Sonkyong die alleinige Erziehung? Was führt das zehnjährige Mädchen tatsächlich im Schilde?

Spannend und temporeich

Im Großen und Ganzen liest sich Der rote Apfel wirklich spannend, das Tempo ist hoch und vieles wendet sich, ganz überraschend, in eine völlig andere, nicht vorhersehbare Richtung. Manches wurde für meinen Geschmack aber viel zu ausführlich erklärt, was so manchen spannenden Moment zerstört hat. Mit den vielen, für mich fremd klingenden, Namen hatte ich nur auf den ersten Seiten Probleme – in meinem Kopf hört ja niemand zu, wie ich sie gedanklich ausspreche :-)

Mein Fazit:

Der rote Apfel von Mi-Ae-Seo ist ein spannender Thriller um das Gespräch eines Serienmörders mit einer Kriminalpsychologin. Es erinnert  zwar an Das Schweigen der Lämmer – ist aber dann doch ganz anders und ganz eigenständig. Wer auf psychologische Spannung steht, der sollte auf jeden Fall mal reinschauen :-)

Buchinfos

  • Titel: Der rote Apfel
  • Originaltitel: The Good Girl
  • Autor: Mi-Ae-Seo
  • Übersetzer/in: Ki-Hyang Lee
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Genre: Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • ISBN: 978-3-453-42335-0
  • Form: TB, 352  Seiten
  • Preis: 12,99 €

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