Krimi/Thriller
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[Rezension] Der tote Carabiniere

Der tote Carabiniere

Der tote Carabiniere von Dino Minardi ist der zweite Band mit dem sympathischen Commissario Pellegrini. Die Reihe ist am Comer See angesiedelt und würde sicherlich perfekt in meine Reihe italienischer Urlaubskrimis passen. Im Moment ist die Lombardei aus ganz anderen, viel traurigeren und dramatischeren Gründen im Gespräch – aber es ist eine wunderbare Landschaft, in der man sonst seinen Urlaub und die italienische Lebensart ganz entspannt genießen kann.

Der tote Carabiniere

Dino Menardi

Commissario Marco Pellegrini beginnt einen etwas nebligen Tag mit einer Tasse Kaffee in der Bar della funicolare, die er irgendwann mal als padrone übernehmen wird – jedenfalls sind die Angestellten dort davon überzeugt. Im Moment begnügt e sich aber damit, seinen morgendlichen Kaffee dort zu genießen. Anschließend macht er sich wie gewohnt mit der Seilbahn auf den Weg zur Arbeit und wird dort quasi Zeuge, wie ein Kollege der Carabinieri dort von der Seilbahn überrollt wird. War es Selbstmord oder hat ihn jemand vor die Bahn gestoßen? Ermitteln darf Pellegrini wegen Kompetenzgerangel  nicht – aber das hält ihn nicht wirklich ab 🙂

Ein unerwartet kalter Wind empfing Commissario Marco Pellegrini vor der Tür seines Hauses und fegte ein paar Papierfetzen zu einem Kreisel zusammen. Der tote Carabiniere, S. 9

Mein Eindruck:

Entspannt italienisch …

Viel Roman, weniger Krimi

Der tote Carabiniere ist in erster Linie ein Roman, kein Krimi . so steht es auch auf der zweiten Seite des Buches wenn es aufblättert. Auf dem Einband findet man nichts dazu, eigentlich schade, denn auch der Klappentext vermittelt schon eher Krimifeeling. Aber schnell wird klar, dass das ruhige und gemächliche Tempo nicht so recht zu einem herkömmlichen Krimi passen will. Aber Commissario Pellegrini ermittelt natürlich trotzdem und das mit Erfolg.

Entschleunigung pur

Alles ist etwas entschleunigt, was sich gerade in diesen unruhigen Zeiten aber positiv auf mich auswirkt. Wenn man sich dann erst einmal auf die Geschichte eingelassen hat findet man jede Menge Dinge, die hier mehr im Vordergrund stehen als die pure Aufklärung des Todesfalles. Am Ende stellt man übrigens fest, dass auch dieser lückenlos aufgeklärt wurde – ganz ohne viel Tamtam 🙂

Ein bisschen zu viel

Was für mich ein bisschen den Lesefluss gestört hat, waren für die meinen Geschmack zu viele italienische Begriffe, die sich ständig, beinahe schon inflationär, wiederholten. Ja – was bei uns Handy genannt wird, ist dort ein telefonino, aber ich schätze einfach, dass es mittlerweile überall und ganz global “Smartphone” genannt wird. Das war jetzt nur ein Beispiel – aber es gab mehrere solcher sich ständig wiederholender Begriffe, die für mich ein bisschen was von Oberlehrer hatten, zumal der Autor selber aus dem westfälischen stammt und nicht aus bella Italia :-).

La dolce vita 

Was Der tote Carabinieri  aber auf jeden Fall schafft, ist es dieses leichte, italienische Gefühl von la dolce vita zu vermitteln. Es wird viel geredet, viel gegessen und viel getrunken – und am besten alles gleichzeitig 🙂 So kann man in entspannter Atmosphäre sehr viel über den Toten, seine Freunde und seine Feinde, seine Ehe und seine Familie erfahren. Ein bisschen mehr über die Gründe warum Carabinieri und Polizia di Stato sich ganz offenbar nicht mögen hätte ich gerne noch erfahren – aber das ist sicher jammern auf ganz hohem Niveau.

Privates und berufliches

Wie es sich für eine Buchreihe gehört spielen hier, neben dem jeweiligen Kriminalfall, die unterschiedlichen Charaktere und die zwischenmenschlichen Beziehungen eine große Rolle. Pellegrinis Verhältnis zu seinen Kollegen ist nicht immer ganz unproblematisch und auch seine Ambitionen im Bezug auf die Bar della funicolare liefern  immer wieder Gesprächsstoff. All das zusammen hat mir wirklich viel Spaß gemacht 🙂

Mein Fazit:

Der tote Carabiniere von Dino Minardi ist ein lockerer, leichter Roman, der das italienische Lebensgefühl perfekt vermittelt. Der Kriminalfall ist eher zweitrangig, wird aber trotzdem gebührend behandelt und aufgeklärt, auch wenn das nicht im Mittelpunkt steht. Wer also Spaß an la dolce vita hat und gerne ein bisschen mitermittelt ist mit diesem Buch sehr gut bedient.

Buchinfos
  • Titel: Der tote Carabiniere
  • Autor: Dino Minardi
  • Verlag: Kampa Verlag
  • Genre: Roman/Krimi
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • ISBN:  978-3-311-12010-0
  • Form: Paperback,296 Seiten
  • Preis:14,90 €
Reiheninfos
  • Ein Espresso für den Commissario
  • Der tote Carabiniere

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