Krimi/Thriller
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[Rezension] Der erste Mensch

Der erste Mensch

Der erste Mensch von Xavier-Marie Bonnot ist bereits der sechste Band rund um den Ermittler Michel de Palma – im näheren Umfeld auch gern einfach “Le Baron” genannt. Mich hat das Buch vor allem angesprochen, weil es sich neben all den kriminalistischem Geheimnissen auch mit den Geheimnissen der prähistorischen Höhlenmalerei beschäftigt. Hier geht es im besonderen um die Cosquer-Höhle in der Nähe von Marseille und einer offenbar mörderische Erkundung derselben.

Der erste Mensch

Michel de Palma 6

Xavier-Marie-Bonnot

Die Calanque de la Triperie vor Marseille ist nicht an ihrer Oberfläche ein beliebtes Fotomotiv, weit unterhalb der Wasseroberfläche gibt es noch einmal eine ganz andere Welt. Vor tausenden von Jahren entstanden hier Unterwasserhöhlen, die vor prähistorischen Felszeichnungen nur so strotzen. Neben Handnegativen gibt es erstaunlich naturgetreu Abbildungen von allerlei Meeresbewohnern und Küstenvögeln. Der Archäologe und erfahrene Taucher Rémy Fortin erforscht die Höhlenmalereien, erschrickt dann aber so sehr, dass er panikartig und viel zu schnell auftaucht. Seine letzten Fotos zeigen gigantische Stalagmiten, eine rätselhafte Hirschkopfstatue und den Schatten einer riesigen Gestalt. Hauptkommissar Michel de Palma stößt bei seinen Untersuchungen auf weitere ungeklärte Morde und ein uraltes Ritual.

Der erste Abdruck prangte auf einem steinernen Faltenwurf, wenige Meter vor einer großen, sich ins schwarze Wasser neigende Platte. Eine Kinderhand. Das Zeichen von Urmann. Der Taucher erschauerte. Ihm schnürte sich die Kehle zu. Der erste Mensch, S. 7

Mein Eindruck:

Spannende Geschichte – in jeder Hinsicht

Letzter Auftrag

Drei Wochen vor seinem wohlverdienten Ruhestand könnte Michel de Palma sich zufrieden zurücklehnen, sich schon mal geistig auf viel freie Zeit vorbereiten. Er könnte sich auf seine Spider Giulietta von Alfa Romeo freuen, an all die Opern denken, die er besuchen will und sic auf die Zeit zu zweit mit seiner Frau Eva freuen. Stattdessen lässt er sich von seinen alten Dämonen ärgern, denn Thomas Autran, der ihn vor vielen Jahren beinahe mal getötet hat, ist wieder aufgetaucht.

Tauchunfall

Die Entdeckung der Leiche des erfahrenen Tauchers Rémy Fortin in der Höhle Le Guen in Marseille wird erst einmal als typischer Tauchunfall abgehakt. Aber Pauline Barton, verantwortlich für die Ausgrabungen der oben genannten Höhle, glaubt das nicht. Für sie ist das eindeutig ein Mordversuch, der auch de Palma an den seltsamen Tod eines Archäologen an derselben Stelle, genau vor zehn Jahren, erinnert. Andererseits fällt es ihm schwer tatsächlich einen Zusammenhang herzustellen. Aber sein Interesse ist auf jeden Fall geweckt und er beginnt zu ermitteln.

Ursprung der Menschheit

Dieser Thriller ist quasi rund um die Ursprünge der Menschheit aufgebaut. Auch wenn man wie ich nur wenig über prähistorische Zeiten weiß, schafft es Xavier-Marie Bonnot  mich schnell mit diesem Thema zu begeistern. Neben vielen Beschreibungen dessen, was in diesen Höhlen zu finden ist, vergisst er allerdings das heutige Marseille nicht und ich erfahre so manches über die Stadt, das Zentrum und seine Vororte. Ich mag die leicht blumige, aber dennoch direkte Art und Weise mit der der Autor mich durch die Geschichte führt.

Geschwisterschicksal

Ein weiterer, recht großer, Bereich des Buches ist den Geschwistern Christine und Thomas Autran gewidmet. Christine sitzt wegen Beihilfe zum Mord ein, ihr Bruder hingegen ist weit weg von Marseille in einer psychaiatrischen Anstalt eingesperrt. Eigentlich haben die beiden also ein Alibi, das so unumstößlich ist wie nur was – trotzdem hat Michel de Palma sie ganz oben auf seiner Liste der Verdächtigen. Mich hat er damit auf jeden Fall angesteckt, denn auch ich traue vor allem Thomas Autran fast alles zu.

Psychisch krank

Trotzdem habe ich auch ein gewisses Maß an Mitleid mit ihm. Schon in ganz jungen Jahren wurde er mit, für mich zumindest, sehr seltsamen und fragwürdigen Methoden psychiatrisch behandelt. Obwohl er als schizophren eingestuft wird verfügt er über eine außergewöhnliche Intelligenz. Genau wie seine Schwester ist er ein herausragender Gelehrter der Paläontologe und Spezialist für die ältesten Darstellungen der Menschheitsgeschichte. Womit sich dann wieder der Kreis zum aktuellen Fall schließt.

Gelungene Mischung

Mir gefällt die Mischung aus spannendem Kriminalfall, prähistorischer Höhlenmalerei und vielen anderen Themen. Im Grunde geht ja auch um die Identitätssuche eines kranken jungen Mannes, um toxische Familienbeziehungen – aber auch um den leicht krankhaften Ehrgeiz im Wissenschaftsbereich. All das zu verbinden und trotzdem einen spannenden und logischen Krimi daraus zu stricken ist in diesem Fall wirklich gut gelungen. Ach ja – mich auf eine völlig falsche Fährte zu locken war dann übrigens eine der leichteren Übungen des Autors.

Mein Fazit:

Der erste Mensch von Xavier-Marie Bonnot ist ein Krimi mit sehr vielen Nuancen. Als Leser muss man nicht unbedingt über besonderen Kenntnisse im Bereich der prähistorischen Geschichte verfügen, aber ich denke ein gewisses Interesse daran wäre schon ganz gut.

Buchinfos
  • Titel: Der erste Mensch
  • Originaltitel: Premier Homme
  • Autor/in: Xavier-Marie Bonnot
  • Übersetzer/in: Gerhard Meier
  • Verlag: Unionsverlag
  • Genre: Krimi
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • ISBN: 978-3-293-20915-2
  • Form: TB,  352 Seiten
  • Preis: 13,95 €
Reiheninfos
  • Der große Jäger
  • Im Sumpf der Camargue
  • La voix du loup  (nicht übersetzt)
  • Les âmes sans nom (nicht übersetzt)
  • Die Melodie der Geister
  • Der erste Mensch 

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