Krimi/Thriller
Schreibe einen Kommentar

[Rezension] Erbarmen

Erbarmen

Erbarmen von Jussi Adler-Olsen ist ja nicht unbedingt ein neues Buch – aber ich kannte es halt noch nicht. Es erzählt die Anfänge des legendären Sonderdezernats Q bei der Kopenhagener Polizei und ich war neugierig. Bisher kannte ich nur die Verfilmung, die ich irgendwann mal im Fernsehen gesehen und für doof befunden habe und jetzt hatte ich die Gelegenheit, mich dann doch mal mit dem Buch zu befassen.

Erbarmen

Carl Mørck, Sonderdezernat Q, 1

Jussi Adler-Olsen

Carl Mørck, der gegen seinen Willen zum Sonderermittler beim ganz neu und eigens für ihn gegründeten Sonderdezernat Q ist, ist auf seinem Posten nicht glücklich. Aber nach einigem hin und her verfolgt er dann doch, gemeinsam mit seinem neuen Partner Hafez el-Assad, einen Cold Case. Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken – aber es wurde nie eine Leiche gefunden. Der behinderte Brude der verschwundenen Frau ist der Hauptverdächtige, aber die Verdachtsmomente erhärten sich nicht und er selber spricht kein Wort.

Carl trat einen Schritt näher an den Spiegel heran. Mit dem Zeigefinger fuhr er sich über die Stelle an der Schläfe, wo ihn die Kugel gestreift hatte. Die Wunde war verheilt, aber die Narbe zeichnete sich am Haaransatz deutlich ab. Erbarmen, S. 9

Mein Eindruck:

Motivsuche

Nordisch

Carl Mørk ist ein klassischer nordischer Krimiheld – also genauso einer, wie ich ihn nicht mag. Sein Privatleben pendelt zwischen nicht vorhanden und chaotisch, seine Frau ist bei einem Selbstfindungsgstrip auf und davon und der gemeinsame Sohn steht ständig zwischen allen Stühlen. Gut dass zumindest sein nicht minder merkwürdiger Untermieter Morten Halland vom Keller aus den Alltag organisiert.

Zwischenfall

Carl hat vor kurzem einen Zwischenfall bei einem Einsatz als Einziger relativ unbeschadet überstanden. Ein Kollege starb dabei, ein anderer ist seitdem querschnittsgelähmt und liegt noch immer in der Klinik. Carl pflegt seit dem sein schlechtes Gewissen und weil er ohnehin nicht so wahnsinnig beliebt bei der Arbeit war, wird er in eine neu gegründete Abteilung für Cold Cases versetzt. Der einzige weitere Mitarbeiter ist der augenscheinlich ungebildete, aber sehr effektive Assistent Hafez el-Assad.

Beleidigung

Aber auch, wenn Carl die Stelle als persönliche Beleidigung empfindet, wird dann doch seine berufliche Neugier und auch sein Ehrgeiz geweckt. Ein erster Fall ist die prominente Politikerin Merete Lynggaard, die vor fünf Jahren auf einer Fähre nach Deutschland verschwand. Hier bekommen Carls eher unorthodoxen Ermittlungsmethoden dann auch eine positive Bedeutung, denn er lässt einfach nicht locker – egal, wie viel Wind ihm dafür auch entgegen bläst. Von hier an, entwickelt sich die Handlung dann in zwei Strängen weiter.

Verlies

Der eine Strang bleibt bei Merete Lynggaard, die auf einer Fähre im Jahr 2002 entführt wurde und seit dem in einem mysteriösen Raum dahinvegetiert. Sie bekommt Essen und Wasser, aber sie sieht ihre Entführer nie und bekommt auch keine Erklärung für ihre Entführung – aber sie spürt ganz deutlich den Hass und die Verachtung ihr gegenüber. Sie hat in ihrer Isolationshaft reichlich Zeit und Gelegenheit über sich, ihre Vergangenheit und ihren Bruder nachzudenken. Ich leiste ihr dabei quasi Gesellschaft und fühle mich tatsächlich mit ihr verbunden.

Ermittlung

Der zweite Strang befasst sich mit den Ermittlungen und wechselt sich mit den Ereignissen in dem Verlies ab. Methodisch, detailliert und oft wenig feinfühlig gräbt Carl Mørk sich immer weiter in diesen Fall hinein. Je weiter er ermittelt um so mehr bietet sich ihm ein Bild der Schlamperei in der ersten Ermittlung und damit natürlich auch die Frage, was der grund dafür war. Wem ist Merete Lynggaard derart auf die Füße getreten, dass sie verschwinden musste? Wer will sich derart an ihr rächen und warum?

Komplex

Persönlich hatte ich von Beginn an ein bisschen ein Problem mit der Geschichte. Ich mag die Art, wie Jussi Adler-Olsen seine Charaktere aufbaut, sie sind allesamt komplex und widersprüchlich. Aber ich kann mit diesem stetig negativen Ermittler nichts anfangen, auch wenn er gerne mal seine Negativität mit Sarkasmus kaschiert. Allerdings mochte ich die Krimihandlung als solche wirklich sehr und fand sie wirklich toll konzipiert. Ich mag diese Rückblenden und vor allem das Ende hat mich wirklich überzeugt.

Mein Fazit:

Erbarmen von Jussi Adler-Olsen hat mich mit seiner spannenden Handlung wirklich überzeugt, allerdings kann ich nach wie vor nichts mit Carl Mørk als Ermittler anfangen. Aber ich werde auf jeden Fall noch einen weiteren Fall des Sonderdezernat Q versuchen, vielleicht gewöhne ich mich ja noch an Carl.

Buchinfos
  • Titel: Erbarmen
  • Originaltitel: Kvinden i buret
  • Autor/in: Jussi Adler-Olsen
  • Übersetzer/in: Hannes Thiess
  • Verlag: dtv Verlag
  • Genre: Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2011
  • ISBN: 978-3-423-21262-5
  • Form: TB,  432 Seiten
  • Preis: 10,95 €
  • Dieses Buch bei Amazon erwerben *Affiliate-Link 
Reiheninfos
  • Erbarmen
  • Schändung
  • Erlösung
  • Verachtung
  • Erwartung
  • Verheissung
  • Selfies
  • Opfer 2117
  • Natrium Chlorid 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.