Krimi/Thriller
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[Rezension] Sommerhaus mit Swimmingpool

Sommerhaus mit Swimmingpool

Sommerhaus mit Swimmingpool  von Herman Koch besticht auf jeden Fall schon mal durch sein ausgesprochen schlichtes Cover. Auf blutrotem Hintergrund führt eine Hand ein Skalpell – ansonsten gibt es nur noch einen kleinen, schlichten Aufdruck mit den Namen von Roman und Autor. Ich finde im oft farblichen Überangebot hebt sich das wohltuend ab.

Sommerhaus mit Swimmingpool

Herman Koch

Marc Schlosser ist Hausarzt und ist sehr auf seinen Ruf bedacht und hat dafür die eine oder andere Taktik entwickelt. z.B. nimmt er sich augenscheinlich viel Zeit für seine Patienten und hört ihnen zu. Tatsächlich aber verabscheut er die meisten seiner Patienten, ihre hausgemachten Probleme, ihr Aussehen und ihre Klagen. Einer seiner Patienten ist Ralph Meier, ein bekannter Schauspieler und Marc ist zu Anfang von ihm regelrecht fasziniert, genauso wie von seiner Ehefrau. Schnell bemerkt Marc dass nicht nur er an Meiers Ehefrau interessiert ist, sondern dass Ralph dasselbe Interesse an Marcs Ehefrau hat. Er entwirft einen scheinbar perfekten Plan – ein gemeinsamer Urlaub der beiden Familien soll ihn ans Ziel seiner Wünsche bringen. So starten die Meiers mit zwei Söhnen und die Schlossers mit zwei Töchtern zu einem gemeinsamen Urlaub in einem Ferienhaus in Südfrankreich. Sommer, Sonne und das Urlaubsfeeling sorgen dafür, dass die Stimmung im Ferienhaus sich immer weiter aufheizt. Alle genießen die Sommertage inklusive Liebeleien bis etwas Schreckliches geschieht. Die 13jährige Tochter Schlossers wird vergewaltigt und scheinbar ohne Erinnerungen am Strand gefunden. Einige Hinweise sprechen dafür, dass Meier der Vergewaltiger war und nach einem heftigen Streit darüber brechen die beiden Familien den Urlaub ab. Ein paar Wochen später kommt Meier, als sei nicht geschehen in Marcs Praxis und der nutzt die Chance die sich ihm bietet. Ein halbes Jahr später ist Ralph Meier tot ….

Mein Eindruck:

Man kann niemandem trauen …

Kein Sympathieträger

Herman Koch lässt den Leser die Geschichte des Arztes Marc Schlosser aus der Ich-Perspektive miterleben – etwas was ich eigentlich gar nicht so gerne mag, zumal der Protagonist nicht unbedingt Anwärter auf einen Sympathiepreis ist. Doktor Schlosser zählte definitiv nicht zu der Sorte Ärzte, wie man sie normalerweise in Geschichten, Filmen oder Serien so vorgesetzt bekommt. Er mag seine Patienten nicht, ganz im Gegenteil vor den meisten ekelt er sich schlicht.

Unfeine Gedanken

Er bezeichnet sie als Hautsäcke die mit Fleisch, Fett und sich zersetzenden Organen gefüllt sind und auch sonst sind seine Beschreibungen über deren Körperfunktionen nicht eben schmeichelhaft und wenig appetitlich. Seine Maxime sich für jeden Patienten zwanzig Minuten Zeit zu nehmen ist nichts weiter als eine ausgeklügelte Taktik, seinen ungeliebten Patienten vorzugaukeln er sei besonders gründlich. Tatsächlich sind seine Gedanken bei Patientengesprächen meist meilenweit entfernt.

Trotzdem oft witzig

Schlossers Gedanken sind so herrlich böse, gemein und sarkastisch, dass ich zwar gerne mitschmunzele, aber gleichzeitig darauf hoffe dass mein Arzt nicht so über mich denkt. Auch bei seinen Gedanken zur Gerechtigkeit, das simple Auge-um-Auge-Prinzip, finde ich auf den ersten Blick natürlich falsch – aber wenn es so wie bei Marc Schlosser um meine Tochter ginge, würde ich dann nicht vielleicht auch Gleiches mit Gleichem vergelten wollen?

Spannende Fragen

So pendele ich zwischen einem gewissen Verständnis für den Doktor und meiner Abscheu vor ihm in diesem Roman hin und her. Aber trotz aller Fragen die sich für mich bei dieser Lebensbeichte zu Moral und Doppelmoral, Richtig und Falsch, auftun habe ich nie auch nur einen Moment den Eindruck Herman Koch würde die ganze Zeit mit dem erhobenen Zeigefinger vor mir stehen um mich zu belehren und ich habe mich keinen Moment gelangweilt. Die raffiniert konstruierte Kriminalgeschichte und der rabenschwarze Humor haben mich bestens unterhalten und die Spannung wird auch bis zum Ende aufrechterhalten.

Mein Fazit:

Sommerhaus mit Swimmingpool  von Herman Koch ist ein spannender Krimi, gepaart mit sehr viel Sarkasmus. Ich habe ihn geliebt, aber  wer mehr auf “den Arzt dem die Frauen vertrauen” steht, der dürfte sein Weltbild in Gefahr sehen…

Buchinfos
  • Titel: Sommerhaus mit Swimmingpool
  • Autor: Herman Koch
  • Verlag: KiWi Verlag 
  • Genre: Roman
  • Erscheinungsjahr: 2013
  • ISBN: 978-3-462-04498-0
  • Form: TB, 352 Seiten
  • Preis: 9,99 €
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