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[Rezension] Das Gift der Lüge

Das Gift der Lüge

Auf Das Gift der Lüge von Ambrose Perry habe ich ja schon eine ganze Weile gewartet – genau genommen, seit ich den ersten Band, Die Tinktur des Todes, letztes Jahr beendet habe. Ich habe es genossen, im viktorianischen Edinburgh Morde aufzuklären und Dank den Herren Frey & McGrey kenne ich mich da auch schon ein bisschen aus. Aber bei den Autoren hinter dem Pseudonym Ambrose Perry geht es doch um ein bisschen mehr als “nur” um Morde und genau der Part fasziniert mich besonders.

Das Gift der Lüge

Die Morde von Edinburgh 2

Ambrose Perry

Seit den Geschehnissen in Die Tinktur des Todes sind zwei Jahre vergangen und vieles hat sich verändert. Edinburgh steht mit seinen Forschungen an der Spitze der modernen Medizin, aber oft erscheinen die Methoden und Heilmittel der Ärzte wirkungslos. Aber auch Dr. James Simpson, der eigentlich überall geachtet wird und über jeden Zweifel erhaben scheint, wird die Schuld für den Tod eines seiner Patienten zugeschoben. Sein ehemaliger Schützling Will Raven, mittlerweile selber ein anerkannter Arzt, und das ehemalige HausmädchenSarah, die nun ihrerseits Krankenschwester ist, sind fest entschlossen Dr. Simpsons guten Ruf wieder herzustellen.

Schon viele Männer hatten Macht über mich. Es waren keine großen Männer. Oft waren es nicht einmal starke. Denn in dieser Welt braucht ein Mann weder Größe noch Kraft, um den Schwachen und Hilflosen seinen Willen aufzuzwingen. Oder zumindest jenen, die man hat glauben machen, sie seien schwach und hilflos. Das Gift der Lüge, S. 7

Mein Eindruck:

Nichts ist wie es scheint

Heimkehr

Will Raven, einst Simpsons Schützling, ist mittlerweile selber ein renommierter Arzt und hat in diversen europäischen Großstädten seine Kenntnisse und Fähigkeiten erweitert. Er freut sich darauf, die ihm angebotene Stelle als Assistent von Dr. James Young Simpson anzunehmen. Er kehrt also voller Freude und in der irrigen Annahme, nichts habe sich geändert, nach Edinburgh zurück-

Änderungen

In Wirklichkeit hat sich aber so einiges geändert. Sarah ist schon länger kein Hausmädchen mehr, sonder assistiert Simpson als Krankenschwester und ist verheiratet Letzteres scheint ihn am meisten zu treffen und so herrscht bei ihren ersten Treffen nach so lange Zeit eine gewisse Unsicherheit. Es wirkt abwechselnd ein bisschen amüsant, aber eben auch berührend wie die beiden versuchen sich in ihren neuen Rollen aneinander zu gewöhnen- aber auch die alte Vertrautheit zurückzugewinnen.

Rufmord

Das Dr. Simpsons Ruf durch mehrere unerklärlichen Todesfälle unter seinen Patienten leidet schweißt die beiden dann aber doch wieder zusammen – wenn auch nicht sofort. Während Will noch an eine neue Krankheit als Ursache der Todesfälle glaubt, beschleicht Sarah ein ganz anderer Verdacht. Ihr fällt auf, dass alle Opfer irgendwie zu einer einzigen großen Familie gehören. Allerdings will niemand auf sie hören – vor allem weil sie einfach nur eine Frau ist und als solche ja gar keine Ahnung haben kann.

Vorsprung

Als Leser bin da durchaus schon etwas weiter als die beiden, denn während der gesamten Geschichte bekomme ich immer wieder Einblicke in die Gedankenwelt des Täters, kenne seine Motivation und seine Pläne. Ich kenne seine Geschichte von seiner Kindheit an und kann durchaus nachvollziehen, warum der Täter tut, was er eben tut. Die Tatsache, dass er den drei Protagonisten stets sehr nah ist, macht auch einen Teil der Spannung aus.

Lebensverhältnisse

Neben den  Hauptpersonen spielt die Stadt Edinburgh selbst auch eine gewichtige Rolle in dieser Geschichte. Mit all ihren Ungleichheiten, den Klassenunterschieden, den Gefahren denen die ärmeren Bewohner ausgesetzt sind, der Stellung der Frauen in der Gesellschaft, aber auch den Praktiken in der medizinischen Behandlung zeigt sie mir auf, wieviel besser es mir heute geht. Sarah beginnt sich eine Zukunft für sich vorzustellen, die sie, wenn überhaupt, nur sehr schwer erreichen kann.

Entscheidungen

Insgesamt gibt es weniger detaillierte medizinische Fälle, aber bei den wenigen Fällen gibt es viel mehr emotionale Momente. Die Charakterbildung der Protagonisten wird weiter vorangetrieben und vor allem Will und Sarah müssen, jeder für sich, eine ganze Reihe Entscheidungen treffen. Ich denke um die zum Teil recht komplexen Zusammenhänge zu verstehen sollte man  Die Tinktur des Todes auch gelesen haben – aber das ist natürlich kein Muss.

Mein Fazit:

Das Gift der Lüge von Ambrose Perry ist ein sehr gut geschriebener und ebenso gut recherchierter historischer Krimi. Ich mag seine authentischen Details, die realen Charakteren aus der Zeit und auch eine gewisse Schonungslosigkeit in manchen Schilderungen.

Buchinfos
  • Titel: Das Gift der Lüge
  • Originaltitel: The Art Of Dying
  • Autor: Ambrose Parry
  • Übersetzer/in: Hannes Meyer
  • Verlag und Bestellung: Piper Verlag
  • Genre: Krimi/histor. Krimi/historischer Kriminalroman
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • ISBN: 978-3-86612-490-5
  • Form: TB,  496 Seiten
  • Preis: 16,99 €
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Reiheninfos

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