Grabesgrund

[Rezension] Grabesgrund

Grabesgrund ist ja bereits der siebte Band der Reihe um  die sympathische Archäologin Ruth Galloway – und beinahe hätte ich dieses Buch ganz vergessen :-) Aber jetzt habe ich vor ein paar Tagen per Zufall entdeckt, dass in Großbritannien der achte Band The Lantern Man schon seit Monaten verkauft wird und rasch das versäumte Buch nachgeholt. Eine deutsche Übersetzung gibt es zum neuesten Buch wohl noch nicht, aber ich hoffe doch, dass die demnächst kommt :-)

Grabesgrund

Elly Griffiths

Auf dem Gelände eines längst vergessenen  Flugplatzes  aus dem Zweiten Weltkrieg sollen Luxus-Eigentumswohnungen entstehen. Bei den Aushubarbeiten  finden die Arbeiter ein amerikanisches Jagdflugzeug mit einem toten Piloten in der Kanzel. Dr. Ruth Galloway wird zur Begutachtung hinzugezogen, aber aus naheliegenden Gründen bezweifelt Ruth das es sich hier um einen Unfallopfer handelt – mitten in der Stirn des Piloten prangt ein Einschussloch. Aber es gibt noch weitere Ungereimtheiten bei der Leiche und Ruth ist sich mit Detective Chief Inspector Harry Nelson einig, dass in diesem Fall dringend weiter ermittelt werden muss.

Es ist der heißeste Sommer seit Jahren. Die Zeitungen sprechen von einer regelrechten Hitzewelle. Doch Barry West kümmert sich nicht um die Wettervorhersage. Er trägt sommers wie winters die gleiche Kleidung, Jeans und ein Englandtrikot. Grabesgrund, S. 6

Mein Eindruck:

Geschichtsunterricht – spannend und unterhaltsam

Unguter Fund

Als im Verlaufe eines Bauprojektes eine Leiche, die vermutlich aus dem Zweiten Weltkrieg stammt, gefunden wird, wird unter anderem auch Dr. Ruth Galloway zu den Untersuchungen hinzugezogen. Schnell ist ihr klar, dass die Leiche offenbar hier absichtlich so positioniert worden ist, aber trotzdem vom Alter her aus dem Zweiten Weltkrieg stammen könnte.Das der Verstorbene eine amerikanische Uniform trägt, heiß nicht viel, denn im Krieg gab es  in dieser Gegend einen amerikanischen Luftwaffenstützpunkt

Falsches Flugzeug

Die Untersuchungen ergeben, dass es sich bei dem Toten um Frederick Blackstock, dem Sproß einer recht noblen Familie der Upper Class aus Norfolk handelt. Er war tatsächlich während des Zweiten Weltkrieges abgestürzt, allerdings nicht in dem Flugzeug, in dem er gefunden wurde. Die Schilderungen der Autorin über die heutige, restliche Familie Blackstock zeichnen das Bild einer exzentrischen, versagenden Aristokratenfamilie, die aus einem beunruhigend kleinen lokalen Genpool hervorgegangen ist :-)

Noblesse oblige

Es hat mir viel Spaß gemacht, Ruth Galloways Beobachtungen der Familie Blackstock zu folgen. Mit trockenem, teilweise auch bissigem, aber immer  scharfsinnigen Humor zeichnet sie das Bild einer Familie, die sich weigert im 21. Jahrhundert anzukommen und krampfhaft versucht ihre alte Noblesse aufrechtzuerhalten. Mit dem Geld aus dem Verkauf des Grundstücks wollen sie den Verfall des alten Herrenhauses stoppen, aber nicht alle Familienmitglieder scheinen damit einverstanden zu sein. Ich kann mir dank der sehr plastischen Schilderung wirklich jedes Mitglied dieser Familie lebhaft vorstellen :-)

Private Herausforderungen

Während all dieser beruflichen Herausforderungen muss Ruth auch ihre Tochter Kate in die Vorschule “entlassen”. Das ist kein leichter Schritt, ich kann mich lebhaft daran erinnern, wie es mir bei den Einschulungen meiner Kinder ging :-) Auch Ruth hat mit so einigen, teils sehr ungewohnten, Dingen zu kämpfen – aber auf ihre ganz eigene Art wird sie super damit zurecht kommen.  Ich mag die Art, wie Elly Griffiths immer  wieder privates und berufliches in dieser Reihe vermischt – immer in der passenden Dosierung, so dass es einfach gut zusammen passt.

Gemeinsam oder einsam?

Zu den immer wiederkehrenden Charakteren gehört auch das private Umfeld von Ruth und Harry. Ruth hat die eine oder andere Beziehung gehabt, allerdings ist si bis jetzt immer noch solo. Harra hingegen blieb, obwohl er Kates Vater ist und seine Vaterpflichten auch sehr ernst nimmt, bei seiner Frau. Das hindert ihn aber nicht daran, eifersüchtig auf jeden von Ruths Freunden zu sein. Auch ein paar Personen aus Harrys Arbeitsumfeld haben sich mit Ruths Umfeld quasi “vermischt” – eine klare Trennung wird da immer schwieriger.

Ich liebe diese Reihe einfach :-)

Was ich auch mag, sind Elly Griffiths’ Landschaftsbeschreibungen. Geographie und auch die Geschichte in ihren Büchern immer einer große Rolle spielen und Elly Griffiths ist sehr geschickt darin, eine gewisse sehr dichte  Atmosphäre heraufzubeschwören. Ich fühle mich immer schnell mitten im Geschehen, aber eben auch immer mitten in den historischen Gegebenheiten, was mir persönlich immer sehr viel Freude macht.

Mein Fazit:

Grabesgrund ist ja bereits Elly Griffiths’ siebter Band der Reihe um  die sympathische Archäologin Ruth Galloway. Ich liebe ihre ganz eigene Mischung aus Krimihandlung, historischen Details, authentischer Charakterskizzierung  und recht sparsamen privaten Einblicken. Ich freue mich bereits jetzt auf das nächste Buch.

Buchinfos

  • Titel: Grabesgrund
  • Originaltitel: The Ghost Fields
  • Autor: Elly Griffiths
  • Übersetzer/in: Tanja Handels
  • Verlag: Rowohlt Verlag
  • Genre: Krimi
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • ISBN: 978-3-499-21852-1
  • Form: TB,  332 Seiten
  • Preis: 12,00€

Reiheninfo

7 comments on “[Rezension] Grabesgrund

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.