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[Rezension] Die Totenfrau von Edinburgh

Die Totenfrau von Edinburgh

Die Totenfrau von Edinburgh von Oscar de Muriel ist ja bereits Band fünf aus der Reihe um die ungleichen Polizisten Ian Frey & Adolphus McGray, die im Schottland des späten 19. Jahrhunderts Verbrecher jagen. Es geht für mich bei dieser Reihe  eigentlich weniger um die diversen Fälle des Duos, sondern um deren unterschiedlichen Ansätze bei der Lösung derselben. Jedes mal schaffen sie es sich zusammenraufen und dem Bösen auf die Schliche zu kommen. Ich finde damit passt es extrem gut in unsere Zeit.

Die Totenfrau von Edinburgh

Frey & McGray 5

Oscar de Muriel

MacGray, der allem vermeintlich übersinnlichem sehr zugetan ist, zählt zu seine Freundeskreis natürlich auch eine Hellseherin. Madame Katerina kann mit den Toten reden und so wird sie von den Mitgliedern der drei reichsten Familien Edinburghs gebeten eine Séance abzuhalten. Die kürzlich verstorbene Grannie Alice, eine sehr beeindruckende und bestimmende Matriarchin, hat all ihre Geheimnisse mit ins Grab genommen und die soll Madame Katarina nun herausbekommen. Am Morgen nach der Séance sind alle, die dabei waren tot – nur Madame Katarina hat überlebt. Sie schwört, dass der herbeigerufene Geist aus Rache alle umgebracht hat. Sie bittet McGray um Hilfe, denn ihr droht ein Prozess an dessen Ende die Todesstrafe stehen könnte.

Eingehüllt in einen schwarzen Umhang mit Kapuze stand die Zigeunerin vor der Tür des Pubs. Sie presste ihre Hand mit krallenartigen, schwarz lackierten Fingernägeln gegen die Tür, zögerte vor dem Eintreten jedoch. Sie schaute sich nach beiden Seiten um und warf einen prüfenden Blick auf die Royal Mile. Zu dieser Tageszeit war die kopfsteingepflasterte Straße menschenleer. Sogar in der Schankwirtschaft war es ruhig. Die Totenfrau von Edinburgh, S. 22

Mein Eindruck:

Gespräche mit den Toten

Familiensachen

Die Geschichte beginnt erst einmal mit einer Gerichtsverhandlung, in der ein sehr junger Adolphus McGray im Zuhörerraum sitzt. Es geht um den Tod von McGrays Eltern und um die Frage, inwieweit Pansy McGray dafür verantwortlich ist. Die Zeugenaussage von Doktor Thomas Clouston, ihrem behandelnden Arzt in der Irrenanstalt, bringt für mich als Leser neue, spannende Details zu diesem dunklen Punkt in “Nine Nails” McGrays Vergangenheit, die ich ganz begierig lese, denn ich mag den etwas ungehobelten Polizisten.

Mehr Familiensachen

Nach dieser etwas längeren Einführung geht es aber direkt zum neuen Fall, der nicht weniger spannend ist, als McGrays Familiengeschichte. Hier geht um die Geschichte von gleich drei Familien, die schon seit ewigkeiten verfeindet sind. Ausnahmsweise haben sie sich zusammengetan um die Geheimnisse der legendären Matriarchin Grannie Alice, die kürzlich verstorben ist herauszufinden. Was man so herausliest, war die alte Dame wohl so etwas wie eine Mafia-Patin der ganz alten Schule.

Séancen

Nachdem alle Versuche der Familienangehörigen Details zu erfahren gescheitert sind, wenden sie sich an die Hellseherin Madame Katarina und bitten sie in einer Séance, sozusagen im direkten Gespräch mit der Verstorbenen, mehr herauszufinden. Madame Katarinas spezielle Fähigkeiten und Dienste erfreuen sich in der damaligen Zeit großer Beliebtheit, nicht aber sie selber. Als Zigeunerin war sie per se eher unbeliebt und ich schätze, man fürchtete ihre besondere Gabe beinahe mehr, als man sie schätze.

Freundschaft

Adolphus McGray ist der Hellseherin aber auf jeden Fall freundschaftlich zugetan und schätzte gleichzeitig ihre Fähigkeiten. Als die Séance mit den verfeindeten Familien damit endete, dass alle Beteiligten am Morgen tot waren und Madam Katarina als einzige Überlebende auch automatisch die einzige Verdächtige war, bittet sie McGray um Hilfe. Sie schwört, dass der Geist der Verstorbenen Rache an den Familienangehörigen genommen hat und McGray glaubt ihr – aber er muss es auch beweisen können.

Unschlagbares Team

Schnell wird ihm klar, dass er das nicht alleine hinbekommen wird und er bittet seinen Kollegen Inspector Ian Frey um Hilfe. Dieser ist eigentlich mit seinen Gedanken ganz bei dem gewaltsamen Tod seines Onkels, dessen Verlust ihn in eine tiefe Depression gestürzt hat. Trotzdem will er McGray nicht hängen lassen und gemeinsam tauchen sie tief in die dunkle, beängstigende Welt der spätviktorianischen Mystik und des Aberglaubens ein – aber vor allem in die kriminellen Untiefen der sogenannten besseren Gesellschaft.

Rache

Natürlich hat kein Geist den Tod der Séance-Teilnehmer verursacht – aber Rache ist dennoch die treibend Kraft für all das. Wie ich es schon aus den vorherigen Büchern kenne, gibt es nebenher den ein oder anderen Exkurs  in die doch gar nicht so gute alte Zeit. Der Vorverurteilung von  Madam Katarina beruht hauptsächlich auf der Tatsache, dass sie Zigeunerin ist und auch heute sieht es  zum Thema Vorverurteilung  nicht wirklich besser aus. Aber auch der Aberglaube hat sich in weiten Teilen noch immer gehalten, auch wenn man immer wieder dezent darüber lächelt.

Mein Fazit:

Die Totenfrau von Edinburgh von Oscar de Muriel ist mal wieder ein gelungener Band dieser Reihe. Ein bisschen launig und heiter hält der Autor mir als Leser immer mal wieder den Spiegel vor, während ich den Ermittlern durch ein Gewirr von Mystik, Aberglaube und krimineller Energie folge. Ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Band!

Buchinfos
  • Titel: Die Totenfrau von Edinburgh 
  • Originaltitel: The Darker Arts
  • Autor: Oscar de Muriel
  • Übersetzer/in: Peter Beyer
  • Verlag: Goldmann Verlag
  • Genre: Krimi/histor. Krimi
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • ISBN: 978-3-442-49111-7
  • Form: TB,  576 Seiten
  • Preis: 10,00 €
Reiheninfos

2 Kommentare

  1. […] Edinburgh im 19. Jahrhundert. Edward Hyde, angesehener und zugleich gefürchteter Superintendent der Polizei, hat ein Geheimnis: Er leidet an Epilepsie und weiß oft nicht, wie er in eine bestimmte Situation geraten ist. Als er vor einem Toten steht, der nach einem keltischen Ritual ermordet worden ist, beschließt er, sich seinem einzigen Freund, dem Arzt Dr. Samuel Porteous, zu offenbaren. Doch dann wird auch Porteous ermordet – auf eine ähnlich mysteriöse Art und Weise. Hyde findet heraus, dass sein Freund nur zwei Patienten heimlich sah: ihn und jemanden, den er »das Biest« nannte. Hyde ahnt, dass er den Mörder finden muss, um sich selbst zu erlösen. […]

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