Krimi/Thriller
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[Rezension] Ghost Station

Ghost Station von Dan Wells ist ein typischer Agentenroman, angesiedelt in der Zeit des kalten Krieges. Ich mag Spionage-Geschichten immer mal wieder gerne – nicht immer und nicht ausschließlich, aber eben so als Häppchen zwischendurch.  Meist haben sie ja auch einen spannenden politischen Hintergrund und an diesen hier, also an den kalten Krieg, kann ich mich durchaus gut erinnern. Dan Wells kenne ich von diversen anderen Büchern, aber ich habe noch gar keines davon rezensiert. Dann wird es Zeit, oder?

Ghost Station

Dan Wells

Westberlin im Oktober 1961 – alle Geheimdienste stehen noch immer Kopf wegen des Mauerbaus und die Anspannung steigt immer weiter. In dieser Phase der leichten Panik entschlüsselt Wallace Reed, Kryptograf bei der CIA, eine Nachricht eines der Doppelagenten.  Diese Nachricht weist auf einen Maulwurf in den eigenen Reihen hin und setzt eine geheime Jagd in Gang, die die allgemeine Paranoia der Behörde in unermessliche steigert. Reed, bisher eher ein Schreibtischhengst, schlittert auf einmal eher beiläufig und versehentlich in die Rolle eines vollwertigen Agenten – allerdings ganz ohne die entsprechende Ausbildung.

Die westlichen Züge durchquerten die östlichen Bahnhöfe wie Phantome, kein Halt, keine Aktivität, nur zwei Parallelwelten, die sich überlappten, ohne sich zu bezwei berühren. Umrisse, Geräusche und Erinnerungen, kurz aufrühren. aufgeblitzt und sofort wieder verschwunden.  Ghost Station, S. 7

Mein Eindruck:

Unheimliche Zeiten

Kalter Krieg

Der “kalte Krieg” ist ja eigentlich noch gar nicht so lange her. Das, was wir heute meinen, wenn wir diesen Begriff benutzen, bezieht sich auf  die Zeit ab 1947 bis ca. 1990 und umfasste natürlich viel mehr, als nur die Gegenseitigen Pingeleigkeiten zwischen der ehemaligen DDR und der BRD. Es gab reichlich Stellvertreterkriege wie z.B. den Koreakrieg und etliche bekannte und hierzulande vielleicht nicht so bekannte Krisen, endete aber am letztlich dann bekanntermaßen Gott sei Dank in Perestroika und Glasnost.

Mauerbau

In Dan Wells Geschichte geht es aber hauptsächlich um die sehr heiße Phase rund um den Mauerbau im Herbst 1961. Die Geheimdienste des Westens wurden hier von den Tatsachen überrumpelt und verfallen in hektische Betriebsamkeit. Berlin war natürlich durch seine Lage mitten im “feindlichen Gebiet” eine Hochburg für Spione jeder Richtung und im allgemeinen pflegten diese grundsätzlich einen recht freundschaftliche Umgang – der aber durch den Hinweis auf einen Spitzel endete.

Kryptograf

Die gesamte “Großwetterlage” wird aber in Ghost Station nicht näher benötigt und kommt immer nur am Rande zur Sprache. Der Fokus der Geschichte liegt eher auf der Geheimdiensttruppe  aus CIA und BND und der dortigen Ratlosigkeit im Bezug auf den Spitzel. Wallace Reed, ein begabter Kryptograf, aber als Agent eher unbedarft, muss nun in Ost-Berlin ermitteln. Persönlich finde ich die Geschichte des Kryptografen wirklich spannend und all die kleinen Dinge die Dan Wells um ihn herum staffierte fand ich eher lästig. Auch die obligatorische Liebelei war sowas von lahm und gefühlsarm – ich finde, die hätte man besser weggelassen sollen.

Faszination

Actionmäßig ist Ghost Station also nicht unbedingt ein Highlight, dafür ist auch vieles zu sehr in allbekannten Klischees über Geheimdienste und Spione gefangen. Mich persönlich faszinierte aber vor allem der Bereich der Kryptografie. das Entschlüsseln der Codes und auch die Begeisterung, die Wallace Reed in dem Bereich entwickelte. Dazu kam, dass ich mich von der umsichgreifenden Paranoia um den vermeintliche oder tatsächlichen Feind in den eigenen Reihen wirklich anstecken lassen konnte.

Mein Fazit:

Ghost Station von Dan Wells ist kein sonderlich actiongeladener Agentenroman, aber mich hat das Thema des codierens, decodierens und der Weg dorthin fasziniert. Wer allerdings mehr Action oder aber mehr Informationen über den kalten Krieg erwartet ´wird vielleicht enttäuscht sein.

Buchinfos
  • Titel: Ghost Station
  • Originaltitel:  Ghost Station
  • Autor/in: Dan Wells
  • Übersetzung: Matthias Frings
  • Verlag: Rütten & Loening Verlag
  • Genre: Krimi
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • ISBN: 978-3-352-00953-2
  • Form: TB,  424 Seiten
  • Preis: 16,99 €
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