Krimi/Thriller
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[Rezension] Portugiesisches Schicksal

Portugiesisches Schicksal

Portugiesisches Schicksal von Luis Sellano ist bereits der sechste Band aus der Reihe um den ehemaligen Kommissar Henrik Falkner. Wieder einmal freue ich mich darauf, durch Lissabon zu schlendern und die teilweise recht skurrilen Freunde und Bekannte des etwas unfreiwilligen Antiquars zu treffen. Ich habe auch die anderen Bände der Reihe gelesen und fühle mich schon ein bisschen zu der bunten Truppe zugehörig – außerdem ist Lissabon sowieso immer einen Besuch wert, auch wenn er nur gedanklich ist.

Portugiesisches Schicksal

Henrik Falkner 6

Luis Sellano

Das Restaurant Pôr do sol in Lissabon genießt eigentlich einen tadellosen Ruf, der sich schon beinahe weltweit herumgesprochen hat. Kein Wunder, dass dort immer jede Menge Touristen anzutreffen sind, aber auch Einheimische kehren immer wieder gern hier ein. Aber es gibt auch einige üble Gerüchte über das Lokal – mehrere Gäste sollen nach ihrem Essen dort gestorben sein. Auch Henriks Onkel hat in seinen reichhaltigen Unterlagen vermerkt, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugehen soll.

Dunkelrote Rinnsale bahnten sich ihre gewundenen Wege über die Stirn, längs der Schläfen und dann die Wangen hinab. Die Frau schrie laut und schrill. Gerade so, als steckte ein Messer in ihrer Brust. Völlig unverhältnismäßig, fand Henrik. Portugiesisches Schicksal, S. 7

Mein Eindruck:

Harte Arbeit, karger Lohn

Nachwehen

Grundsätzlich ist Henrik ja noch immer mit den Nachwirkungen des Feuers beschäftigt, das vor einiger Zeit im Antiquariat großen Schaden angerichtet hat. Um hier die Zusammenhänge richtig zurordnen zu könne, sollte man den Band Portugiesische Wahrheiten gelesen haben, aber für den aktuellen Fall ist das zweitrangig. Im Zuge der Aufräumarbeiten in seinem Bücherbestand stößt Henrik auf Quittungen eines Nobelrestaurants, dass er wohl eher nicht mit seinem Onkel in Zusammenhang gebracht hätte.

Bauchgefühl

Da Henrik gelernt hat, dass sein Onkel Martin eigentlich nie unnütze Notizen gemacht hat, folgt er seinem Bauchgefühl und heuert im Pôr do sol als Kellner an. Diese Undercovergeschichten entsprechen irgendwie seinem Naturell und er macht sich darin auch ganz gut. Persönlich mag ich das nicht immer so, aber so erfahre ich dann eben doch recht schnell, dass hier so einiges im Argen liegt und die Verdächtigen werden mir hier gut präsentiert.

Backoffice

Während Henrik für einen ziemlichen Hungerlohn schuften muss, halten seine Bekannte Catia Giesela im Antiquariat die Stellung und bilden quasi das Backoffice. Aber auch Professor Silva, einer meiner ganz persönlichen Hauptverdächtigen, kann ich hier ein bisschen besser auf die Finger schauen. Silva hat diese spezielle Mischung aus Intelligenz, Skrupellosigkeit und Arroganz, die es mir schwer macht, ihn wirklich objektiv zu beurteilen. Vielleicht ist er deshalb mein Hauptverdächtiger?

Kulinarisch

Wer eine besondere Schwäche für die leiblichen Genüsse hat, kommt in Portugiesisches Schicksal übrigens voll auf seine Kosten. Nicht nur, dass es am Anfang und am Ende des Buches jeweils ein landestypisches portugiesisches Rezept gibt – auch die Kapitelaufteilung geht auf das besondere Thema des Buches ein. Die großen Kapitel sind jeweils mit dem entsprechenden Wochentag betiteltet und jeder Wochentag hat eine Speisekarte mit einem typischen Menü bekommen. Mir hat diese Idee wirklich gut gefallen und die Rezepte dazu findet man im Internet ganz fix.

Kriminalfall

Die Ermittlungen zum eigentlichen Kriminalfall laufen allerdings zuerst ziemlich stockend, werden dann aber später reichlich hektisch und wirken oft etwas überstürzt. Hin und wieder verliere ich dann doch den Faden und frage mich, wie dieses Chaos jemals entwirrt werden soll. Aber ich lasse mich immer wieder von den sehr plakativen Beschreibungen Lissabons und seiner Bewohner ablenken und könnte beim Lesen glatt vergessen, dass ich gar nicht wirklich im schönen Lissabon bin. Natürlich löst Henrik den Fall am Ende, aber nicht ganz so glatt, wie ich das aus den vorherigen Büchern kenne.

Mein Fazit:

Portugiesisches Schicksal von Luis Sellano ist ein spannender Krimi mit einer riesengroßen Portion Lokalkolorit. Während einer Diät ist es vielleicht mit den vielen Rezepten und den vielen geschilderten kulinarischen Highlights nicht das richtige, aber sonst kann ich es nur empfehlen.

Buchinfos
  • Titel: Portugiesisches Schicksal
  • Autor: Luis Sellano
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Genre: Krimi
  • Erscheinungsdatum: 2021
  • ISBN: 978-3-453-42454-8
  • Form: TB, 336 Seiten
  • Preis: 14,99 € 

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