Nordhörn

[Rezension] Nordhörn

In der letzten Woche hat mir der Sutton-Verlag ein Rezensionexemplar zu “Nordhörn– Ein Nordseekrimi”  von Jürgen Rath zugeschickt. Ich liebe die Nordsee und ich liebe Krimis, also eine perfekte Kombination dachte ich mir :-) Da ich mich aber auf jeden Fall erst noch um die bereits begonnene irische Meerjunfrau kümmern musst, musste die Nordsee noch ein bisschen warten. Aber diese Woche war dann das Wetter bei uns ohnehin “nordseewürdig” also habe ich mich dann mitsamt Nordhörn, Decke und Kaffee auf die Couch begeben.

Nordhörn

Jürgen Rath

Im Januar 1959 wird der Aushilfsarchivar Steffen Stephan auf die Insel Nordhörn versetzt um dort innerhalb von drei Monaten das vollkommen verwahrloste Archiv der Gemeinde wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen.  Schnell bemerkt Steffen, dass man ihm gegenüber auf Nordhörn nicht nur sehr reserviert ist, sondern teilweise sogar  feindselig auf seine Anwesenheit reagiert. Offenbar  scheint jeder hier seine etwaigen Entdeckungen im Stadtarchiv zu fürchten. Als er erfährt, dass sein Vorgänger bei einem Brand im Archiv ums Leben kam,  und das vielleicht nicht ganz so zufällig wie man ihn glauben machen will, wird Steffens Argwohn geweckt. Bald nach seiner Ankunft bricht wetterbedingt die Verbindung zur Außenwelt vollkommen ab und Steffen ist auf der Insel gefangen. Genau da beginnen die Anschläge auf sein Leben und verzweifelt versucht Steffen herauszufinden warum und vor allem wer es auf ihn abgesehen hat.

Mein Eindruck:

Tagebuchstil

Nordhörn ist wie eine Art Tagebuch geschrieben, jedes Kapitel ist mit Tag und Datum überschrieben. Zwischendurch gibt es Kapitel die  einige Tage im Herbst 1938 beschreiben, der Zusammenhang mit der aktuellen Geschichte erschließt sich jedoch erst später :-)  Auch die Karte, die am Beginn des Buches abgedruckt ist, ist später durchaus hilfreich – denn Steffen Stephan ist recht viel auf der Insel unterwegs.

Ganz dem Klischee entsprechend

Die ganze Geschichte spielt in den ersten zwei Monaten des Jahres 1959, eine Zeit die ich ein bisschen aus den Erzählungen meiner Eltern kenne und so manches von dem was sie mir erzählt haben, vor allem bestimmte moralische Wertvorstelllungen, spiegeln sich in Nordhörn sehr schön wieder.  Steffen ist genauso, wie man sich den typischen Beamten (auch heute noch) vorstellt: pflichtbewusst, eifrig und stets den Vorschriften entsprechend. Die Einwohner Nordhörns entsprechen ebenfalls dem Klischee der typischen Norddeutschen: wortkarg, misstrauisch und mit einer gewissen Bauernschläue gesegnet

Viele Zwischentöne 

Aber trotz dieser offensichtlichen Klischees gibt es ganz viele Zwischentöne, die verhindern, dass das Buch zu sehr in diesen Klischees versinkt. So entpuppt sich Steffen als Freund der damals revolutionären Musik von Bill Haley mit einer gewissen Vorliebe für Strapse, die biederen Sekretärinnen entpuppen sich als eigentlich recht moderne junge Frauen, die genau wissen was sie wollen.

Ruhige und beinahe liebevoll

Jürgen Rath erzählt die Geschichte von Nordhörn, seinen Bewohnern und dem immer etwas außenstehenden Archivar sehr ruhig, sehr liebevoll und mit vielen kleinen, netten Details. Dank des angenehmen Schreibstils, der sich flüssig lesen lässt und trotzdem fesselnd ist habe ich beim Lesen gerne mal die Zeit vergessen – genau das gefällt mir bei einem Buch :-)

Etwas langatmig zu Beginn

Ich muss zugeben, zu Anfang waren mir die vielen Beschreibungen der handelnden Personen ein bisschen zu langatmig, aber dann hat mich die Geschichte doch gefangen genommen und ich wollte unbedingt wissen, wie es denn nun ausgeht und ob “mein Hauptverdächtiger” denn nun am Ende auch der Täter war und für welche der Damen, wenn überhaupt, er sich entscheidet :-)

Mein Fazit:

Wer Krimis mag, die eher ruhig erzählt sind und in der sich die Spannung langsam aufbaut, sich quasi durch die Hintertür einschleicht, ist mit Nordhörn von Jürgen Rath auf  jeden Fall gut beraten. Für Schlechtwetter-Nachmittage auf der Couch absolut empfehlenswert,

Buchinfos

  • Titel: Nordhörn
  • Autor: Jürgen Rath
  • Verlag: Sutton Verlag
  • Genre: Krimi
  • Erscheinungsjahr: 2012
  • ISBN: 978-3-86680-964-2
  • Form: broschiert,  272 Seiten
  • Preis: 12,00 €

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