Das Lied der Sirenen

[Rezension] Das Lied der Sirenen

Das Lied der Sirenen von Val McDermid ist der erste Band der Hill/Jordan-Reihe.  Der Psychologe Tony Hill und Detective Inspector Carol Jordan arbeiten das erste Mal zusammen und kommen erstaunlich gut miteinander aus. Bei dieser Buchreihe mag ich auch die daraus resultierende Fernsehserie, auch wenn sie teilweise recht wenig mit den Büchern zu tun hat :-)

Das Lied der Sirenen

Val McDermid

Im kleinen Städtchens Bradfield wurden zwei männliche Leichen aufgefunden, deren Genitalien unterschiedlich verstümmelt waren und die vor ihrem Tode auf unterschiedliche Weise gefoltert wurden. Auf einer Informationsveranstaltung über eine neue nationale Einsatzgruppe zur Erstellung von Verbrecherprofilen des Innenministeriums lernt Hill den Assistent Chief Constable Brandon aus Bradfield kennen. Brandon bittet Hill  um seine Mithilfe in diesem Fall, ohne zu ahnen, dass bereits weitere Leichen gefunden wurden.

Tony Hill legte die Hände hinter den Kopf und starrte an die Decke. Ein feines Netz von Rissen zog sich durch die kunstvolle Gipsrose, die sich um die Lampenbuchse rankte, aber er hatte keinen Blick dafür. Das dünne Licht der Morgendämmerung, vermischt mit dem Orange der Straßenlampen, drang durch einen dreieckigen Spalt am oberen Rand der Vorhänge, aber auch das interessierte ihn nicht. Das Lied der Sirenen, S.9

Mein Eindruck:

Es geht grausam zu in Bradfield…

Zusammenarbeit

Bei einer neuen Reihe müssen ja zuerst einmal die Protagonisten vorgestellt werden, aber allzu viel Zeit  nimmt dich Val McDermid damit nicht. Ich finde eine eher kurze “Grundvorstellung” ausreichend :-) Tony Hill ist ein ziemlich genialer Psychologe, der darauf brennt, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Seine Ansprechpartnerin dort ist Carol Jordan, die erstaunlich offen für neue Ermittlungsideen ist, im Gegensatz zu einigen älteren Kollegen, die sich durch den “neumodischen Kram” insgeheim bedroht sehen.

Dreamteam

Hill und Jordan entpuppen sich aber bald als so eine Art Dreamteam, denn sie ergänzen sich perfekt in ihrer Arbeit und in ihrer Vorgehensweise.Das müssen sie allerdings auch, denn einige Sensationsberichte in der Presse stacheln den Killer dazu an, weiter zu morden. Relativ schnell stellt sich heraus, das die Leichen der Opfer zwar einem Viertel der homosexuellen Szene gefunden wurden, selber aber nicht homosexuell waren.  Die neue Zusammenarbeit stößt aber nicht bei allen auf Gegenliebe, was zu einigen unschönen Dialogen führt.

Fleißarbeit

Die meisten Kapitel drehen sich um die recht mühsame und sehr zeitaufwändige Arbeit der Ermittler. Dazu müssen sie sich noch mit der Suche nach dem Maulwurf, der die Presse mit Insiderwissen füttert, beschäftigen. Die undichte Stelle erweist sich zunehmend als ärgerlich, denn so weiß bald jeder in der Stadt alles. Polizeiarbeit ist in den meisten Fällen eher Fleißarbeit und nicht so wahnsinnig aufregend, was die Presse gerne als Untätigkeit auslegt. Die Gedankengänge, die Tony Hill zu den Ermittlungen beisteuert werden natürlich auch ausgiebig erörtert.

Tätersicht

Aber es gibt immer wieder auch Kapitel, die sich einzig und allein mit der Gedankenwelt des Täters befassen – und die sind schon sehr heftig. In ziemlich grausigen Einzelheiten wird geschildert, was der Täter bei seinen Handlungen empfindet. Ich fand es schon sehr hart, die Einzelheiten und Details der Folterungen zu lesen – allzu empfindlich darf man da nicht sein, denn hier gibt es sehr  viel Blut. Auch über die Beweggründe des Killers erhält man nach und nach mehr Klarheit und stellt fest, dass Dr. Hill gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt ist.

Schreibstil

Val McDermids Schreibstil ist sehr flüssig, sehr gut lesbar und die Charakterbeschreibungen der Hauptcharaktere sind sehr detailliert. Alle anderen bleiben leider ein bisschen blass, aber vielleicht ändert sich das in den nächsten Bänden noch. Die Auflösung und der dazugehörige Showdown bieten dann  noch einige kleinere Überraschungen und lassen mich wirklich zufrieden zurück. Neben all der Spannung habe ich auch noch ein bisschen was über die Erstellung von psychologischen Täterprofilen gelernt und freue mich jetzt auf weitere Bände.

Mein Fazit:

Das Lied der Sirenen ist wahnsinnig spannend, aber auch recht brutal und blutig. Wer also eher empfindlich ist sollte vielleicht lieber zu einem der zahlreichen Krimis der Autorin greifen. Diese sind ebenfalls sehr spannend, aber weniger blutig.

Buchinfos

  • Titel: Das Lied der Sirenen
  • Originaltitel: The Mermaids Singing
  • Autor/in: Val McDermid
  • Übersetzer/in: Manes H. Grünwald
  • Verlag: Droemer Knaur Verlag
  • Genre: Thriller
  • Erscheinungsjahr: 2008
  • ISBN: 978-3-426-50247-1
  • Form: TB,  480 Seiten
  • Preis: 10,99 €

Tony Hill & Carol Jordan Reihe

  • Das Lied der Sirenen
  • Schlussblende
  • Ein kalter Strom
  • Tödliche Worte
  • Schleichendes Gift
  • Vatermord
  • Vergeltung
  • Eiszeit
  • Schwarzes Netz
  • Rachgier

2 comments on “[Rezension] Das Lied der Sirenen

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